Podcasts „Zwölfzweiundzwanzig – Zu Gast bei Ingo Kahle“

Die Erfolgreichste

Prof. Ulrich Kutschera, Uni Kassel, „Gender Mainstreaming“. Die wissenschaftliche Evidenz von Kutscheras Aussagen ist in seinem Buch  Das Gender Paradoxon ausführlich nachzulesen. Im Kern geht es beim teils heftigen öffentlichen Streit um diese Sendung um die wissenschaftliche Reputation des „Gender Studies“ genanten Wissenschaftszweiges (über 200 Professuren) und dessen nicht nur universitäre politische Wirksamkeit – versus Genforschung, eine exakte Wissenschaft, vertreten u.a. durch Evolutionsbiologen wie die Professoren Ulrich Kutschera oder Axel Meyer, Konstanz, Mich erschrecken das Diskurs-Klima, die engen Grenzen des Sagbaren, in denen dieses Gespräch schon als eine offenbar unerträgliche Provokation gilt und mein Gast eine Menge Ärger bekam. Abschrift hier.

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Gern hätte ich. ein gutes halbes Jahr nach dem Gespräch mit Prof. Kutschera, gar nicht in erster Linie über „Gender Mainstreaming“, sondern über sein spannendes, m.E. sehr viele neue Erkenntnisse lieferndes Buch „Adams Apfel und Evas Erbe“ mit dem Evolutionsbiologen Prof. Axel Meyer, Universität Konstanz in „Zwölfzweiundzwanzig“ gesprochen. Das wurde mir im rbb nicht gestattet. Auch dies meine ich, wenn ich schreibe, dass mich das Diskurs-Klima, die engen „Grenzen des Sagbaren“ (Andreas Rödder)  nicht nur beim Thema „Gender Mainstreaming“ erschrecken. Es wird offenbar zu einem Problem, wenn man über hochinteressante Ergebnisse der exakten Wissenschaft der Genforschung im Radio reden will, weil es diesen widersprechende theoretische Konstrukte gibt, denen ebenfalls und möglichst an derselben Stelle Raum zur Darstellung gegeben werden solle, wobei jedoch von den Autorinnen einer Programmbeschwerde beim rbb eine direkte Konfrontation z.B. mit Axel Meyer im Rahmen eines öffentlichen Forums abgelehnt wurde. Ein Bericht mit O-Tönen, wie er in der Programmbeschwerde lobend hervorgehoben wird,  unterscheidet sich grundsätzlich von einem ausführlichen Interview oder einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung  die aufgezeichnet und gesendet wird.

© U.Kutschera 2017

Flüchtlingskrise (1)

Gunnar Heinsohn, Professor emeritus Universität Bremen, (u.a. Söhne und Weltmacht“), leitete dort das einzig bekannte Institut für Völkermordforschung,  lehrt noch am NATO-Defense-College in Rom. Un-ideologisch, sachlich, grundlegend – und deshalb von so vielen gern gehört: Nüchterne Fakten über Flüchtlingsströme, p.c.: „Flüchtlingszuzug“ (siehe mein Blog-Beitrag), vulgo: „Völkerwanderung“.

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Weiterführende Links zu Gunnar Heinsohn:
https://www.achgut.com/autor/heinsohn
https://de.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Heinsohn

Mt Gunnar Heinsohn habe ich, zusammen mit der früheren Ausländerbeauftragten des Senats von Berlin, Barbara John, auf dem Podium einer „Tafelrunde“ in Potsdam über Flüchtlingspolitik diskutiert. Einen Mitschnnitt finden Sie in der Mediathek des Brandenburgischen Literaturbüros.

Interessant auch dieser Beitrag von Gunnar Heinsihn vom 18. April 2018: „Die ungeschminkte Wahrheit von Gunnar Heinsohn: Die Guten bekommen die Besten.“ 

© Foto: Gunnar Heinsohn, privat.

Flüchtlingskrise (2)

Thomas de Maizière. CDU, 2016. Ich fragte den Bundesinnenminister: Woher nimmt Deutschland die Hybris, dass es diesmal mit der Integration besser klappt als bisher? Seine Antwort: „Das ist eine gute Frage. Die hat mir so noch niemand gestellt.“ Eben. Die mindestens ebenso entscheidende Frage ist: Hat der Innenminister Thomas de Maizière die Sicherheit Deutschlands gefährdet?

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In seinem Buch „Regieren“schreibt Thomas de Maizière, in der Flüchtlingskrise auch auf den Hilferuf bayerischer Landräte hin gehandelt zu haben. Es gab solche Rufe, zweifellos. Wichtiger ist aber: Warum hat er – was in seine Kompetenz als Bundesinnenminister lag – den vom Präsidenten der Bundespolizei, Dieter Romann, gefertigten, 36-seitigen Einsatzbefehl zur Schließung der bayerischen Grenzen nach Österreich nicht unterschrieben? Ich beziehe mich damit auf das Buch von Robin Alexander, „Die Getriebenen“Weil die Kanzlern es ausdrücklich nicht  wollte? Oder weil er deren unausgesprochenem Willen, es nicht zu tun, folgte – gekleidet in die Frage, ob er böse  Bilder an der Grenze vermeiden könne, was er verneinen musste. Hat er den Preis der Gefährdung der Sicherheit dieses Landes in Kauf genommen, von den milliardenschweren Folgen dieser Entscheidung – 2015 -2020 mindestens 100 Mrd. Euro – ganz abgesehen? Klar dürfte sein, dass sie ihn entlassen hätte, wenn er gegen ihren Willen gehandelt hätte. Diese Frage stand schon einmal im Raum, als Merkel de Maizière gefragt haben soll, ob er noch hinter ihrer Politik stehe. Hätte er verneint, hätte das seine Entlassung als Minister zur Folge gehabt. Damals ging es um den s.g. „subsidiären“ Schutz von Flüchtlingen. Ich habe Thomas de Maizière z.B. bei einer Podiumsdiskussion der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung (2017) erlebt, wo er barsch und emotional auf den einleitenden Vortrag von Prof. Andreas Rödder, Uni Mainz, reagierte, dessen Thesen aber letztlich bestätigte: Dass sich in dieser Frage drei Ebenen des Rechts überlagern: Deutsches Asylrecht, Genfer Flüchtlingskonvention und Europäisches Recht (Dublin III). Meine These ist, dass diese Frage, ob er durch seine Entscheidung 2015, die Grenzen nicht zu schließen, die Sicherheit des Landes gefährdet hat, die entscheidende ist, die ihn umtreibt. Dieser Vorwurf berührt sein SelbstAber das ist nur eine These

Aufzeichnung eines Interviews,
2012 im BmVg

Nr. 3: Konrad Fischer

Konrad Fischer, Architekt. Zweimal hohes (!) Hörerinteresse: Sinn und Unsinn der Häuserdämmung mit dem auch „Fassadenrebell“ genannten Architekten. Seine Website mit vielen wertvollen Informationen zum Thema ist auch nach seinem Tod im Oktober 2018 (kurz vor seinem 63. Geburtstag) online geblieben. Hausbesitzer, Mieter: Unbedingt anhören! Der wahrhaft mächtigen Dämmstoffindustrie gelang es nie, ihn zu widerlegen. Dies war meine letzte „Zwölfzweiundzwanzig“-Sendung,

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Konrad Fischer hat dieses Gespräch auf YouTube gestellt. Nach seinem Tod im Oktober 2018 hat es die Wirkung eines Vermächtnisses dieses mutigen Mannes, der sich mit der gesamten, wahrhaft mächtigen Dämmstoffindustrie anlegte. Schon unser erstes Interview, 2014, stellte er als Video auf YouTube

Für alle Hausbesitzer, Vermieter und Mieter: Der entscheidende Satz in einer von der Dämmstoffindustrie in Auftrag gegebenen Studie lautet auf Seite 134: „Zusammenfassen kann festgestellt werden, dass energetische Maßnahmen unter wirtschaftlichen Bedingungen nur innerhalb der regulären Instandhaltungszyklen wirtschaftlich realisiert werden können. (Das sind etwa 40 Jahre und niemals die vom Bundesgerichtshof BGH für die Kalkulation von Wirtschaftlichkeit festgesetzten 10 Jahre. Anmerkung Ingo Kahle) Bei einer Berechnung der Rentabilität sind wenn möglich und abgrenzbar, nur die energiebedingten Mehrkosten in Ansatz zu bringen. Trotzdem sind förderpolitische Maßnahmen unabdingbar, um in der Breite energetische Maßnahmen finanzierbar und wirtschaftlich rentabel umsetzbar zu machen.“ (FIW-Meta-Studie 2013: fiw-münchen.de Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. Vereinsmitglied: geea Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz. Dem wiederum gehörte seinerzeit der Gesamtverband der Dämmstoffindustrie an.Der GDI propagierte auf seiner Homepage die FIW-Studie. Man muss sich übrigens vorstellen, dass auf inzwischen wohl 100 Millionen Quadratmetern deutscher Hausfassaden Dämmstoffe, überwiegend Styropor, verbaut wurden. Sondermüll!

In memoriam Konrad Fischer

Politisches Denken (1)

Prof. Andreas Rödder, Universität Mainz. Ich wollte meine Interviewpartner immer durch eine hohe Gesprächsqualität beeindrucken, um sie zu qualitativ hoher  Argumentation zu führen. Das halte ich hier für sehr gelungen. Inhaltlich: Rödder beruhigt. „Die Welt ist nicht aus den Fugen geraten.“ Denn: „Früher war auch nicht besser.“ Rödder ist also kein resignierter Konservativer. Der Zeithistoriker (Buch: „21.0 Eine kurze Geschichte der Gegenwart“) redet sehr spannend über die „Grenzen des Sagbaren“, über vorherrschende politische Denkmuster unserer Zeit und erläutert, warum das Jahr 1973 für deren Entstehung so wichtig war.

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Ich kann es nicht oft genug betonen: Interviewpartner merken, ob man ihr Buch ganz gelesen oder nur mal eben ins Vorwort und ins Schlusskapitel geschaut hat. Entsprechend als Larifari kommen ja viele Interviews daher. Ich bin manchmal von Kolleginnen und Kollegen geradezu belächelt worden, wenn ich davon sprach, wie aufwändig es sei, diese Sendung so zu machen. Diese Gesprächsqualität kommt jedoch nicht von ungefähr. Die muss man sich hart erarbeiten.

In Fernsehtalkshows gibt es für jeden Gast einen „Scout“, der die wichtigsten Äußerungenn und Quellen zum jeweiligen Gast zusammenstellt. Ob das dazu führt, das die Moderatorinnen und Moderatoren in die tiefen Zusammenhänge eines Themas eindringen oder Opfer des Konstruktionsprinzips dieser Sendungen werden – der gegen den, gegen jenen – mag ich pauschal nicht beantworten. Um ehrlich zu sein: Ich sehe Talkshows nicht gern. Sie sind mir viel zu oft viel zu oberflächlich.

Foto: Bert Bostelmann, Uni Mainz

Politisches Denken (2)

Prof. Armin Nassehi, Soziologe. LMU München.  Kratzen an Denkmustern war mir stets ein intellektuelles Vergnügen! Was ist heute noch politisch links, was rechts? In seinem Buch „Die letzte Stunde der Wahrheit“ plädiert Nassehi für politische Diskurse „abseits absoluter politischer Wahrheiten“. Mein Opening-Prinzip: Für eine gute Gesprächsatmosphäre erst einmal mit Persönlichem beginnen. Hier: Nassehi hat eine „streng katholische“ deutsche Mutter und einen persischen Vater. Ich fragte also auf Persisch (Farsi): „Wie geht es Ihnen?“ Besser konnte es nicht klappen.

Foto: Hans-Günther Kaufmann,
LMU München

Politisches Denken (3)

Prof. Wolfgang Lutz, Demograph, iiasa Wien in Zusammenarbeit mit Reiner Klingholz, (Berlin-Institut) über die Demographie der Welt. Der Bildungserfolg des Westens und der Bildungsrückstand als Ursache von Armut, Überbevölkerung, Flucht und Migration in Afrika und der arabischen Welt. Diese läge in dieser Hinsicht gegenüber dem Westen „um 100 Jahre zurück“. Bittere Prognosen zur Frage: (Buch) Wer überlebt in der modernen Welt? Nur bei höherem Bildungsstand sinken die Geburtenraten in Afrika. Nur dann ist Entwicklung möglich. können Flucht und Migration vermieden werden. Am Beispiel Finnlands, das im 19. Jahrhundert klimabedingt (Kälte!) an schweren Hungersnöten litt, schildert er, wie ein Land durch Bildung aus bitterer Armut entkommen kann.

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Dr. Reiner Klingholz der das Buch „Wer überlebt?“ zusammen mit Prof. Wolfgang Lutz geschrieben hat, war dreimal mein Gast, über die Integrationsstudien des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, und über sein Afrika-Buch „Sklaven des Wachstums. Die Geschichte einer Befreiung“.  Klingholz gehört zur Reihe jener Gäste in „Zwölfzweiundzwanzig“, die ich auch nach den Interviews, ob für Zwecke von „Zwölfzweiundzwanzig“ oder in anderen Zusammenhängen, als Experte zurate ziehen konnte. Für seine jederzeit gezeigte Bereitschaft dazu – und der aller anderen meine Gäste – hier ein herzliches Dankeschön! Außerdem Dank auch an Dr. Klingholz, dass ich eine Veranstaltung des Berlin-Instituts mit Helmut Schmidt moderieren durfte. 

Foto: Campus-Verlag

Politisches Denken (4)

Prof. Clemens Fust, Präsident IfO-Institut München. Die Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland. Nein, Deutschland versinkt nicht in Armut. Ein (er-)klärendes Gespräch  mit „einem der klügsten Ökonomen, die Deutschland zu bieten hat“ (FAZ).  Eine noch immer grundlegende, wissenswerte Analyse, bei der es nicht auf die letzte Stelle hinter dem Komma ankommt. 
Armut und Ungleichheit sollten nicht synonym gebraucht werden. Entgegen dem Eindruck, den z.B. die NGO „Oxfam“ gern verbreitet, gilt dabei: 1981 waren nach der Weltbankdefinition von Armut (weniger als 1,9 US-Dollar pro Tag) noch 44 Prozent der Weltbevölkerung arm, 2012 jedoch nur noch 12 Prozent. Fuest: „Die Armut auf der Welt hat dramatisch abgenommen.“ Daran sei die Globalisierung „schuld“. Und: In Deutschland wird durch Umverteilung viel Armut verhindert. „Der Sozialstaat wirkt“, hat mir Gerd Wagner (SOEP, DIW-Berlin)  im Interview gesagt. Hier mehr Forschungs-Beiträge des Ifo-Institutes zum Thema Ungleichheit.

Foto: IfO München

Politische Debatte

Roger Willemsen. In seinem Bestseller „Das Hohe Haus“ hatte der am 07. Februar 2016 verstorbene Publizist und Fernsehmoderator über seine einjährigen Beobachtungen im Deutschen Bundestag berichtet. Das war hochinteressant zu lesen, schon, weil der Literaturprofessor ein glänzender Schreiber (und Redner) war. Eben weil er aber um die Bedeutung und Kraft von Sprache wusste. bestand der Reiz dieses Interviews darin. zu hören, wie der so wortgewandte Rhetoriker reagiert, wenn man seine Worte wägt.  Die Neue Osnabrücker Zeitung schrieb über diese Sendung: „Feine freche Fragen.“ 

In memoriam Roger Willemsen. Hier in London 2012. 
Foto: Anita Affentranger. S. Fischer Verlage

 

SPD: Agenda-Trauma (1)

Gerhard Schröder, SPD. Der Bundeskanzler, intensivst vorbereitet und präzise befragt über seine Agenda-Politik. „Sie haben sich ja sehr gut in die Materie eingearbeitet…“, sagte er mir und intern, hörte ich, habe er geäußert: „Der hat mich ganz schön rangenommen!“ Ein schönes Kompliment! Hier zu hören ist der zweite Teil eines insgesamt 55 Minuten langen, dreiteiligen (da zweimal durch Nachrichten unterbrochenen) Interviews im Rahmen der Inforadio-Sendung „PresseTreff“. Schröder: „Ist ja richtig Arbeit hier!“ Dank für die Vermittlung an den damaligen Generalsekretär der SPD, Klaus-Uwe Benneter.  Abschrift hier.

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In diesem Gespräch äußert Schröder einen Gedanken, man kann auch sagen eine Erkenntnis, die für große politische Reformvorhaben von großer Bedeutung ist. Man sieht das gegenwärtig in Frankreich an den so genannten „Gelbwesten“-Protesten gegen die Politik des Präsidenten Emmanuel Macron. Schröder geht zunächst auf seine Agenda-Rede 2003 im Bundestag ein und beschreibt dann die Schwierigkeit seines Reformvorhabens, die ihn letztöich – auch weil seine Partei ihm nicht in toto folgen wollte – das Amt gekostet hat. (Hören Sie dazu auch das nächste Gespräch mit Franz Müntegering.)
Schröder: „Ichhabe, als ich die Rede zur Agenda 2010 gehalten habe, nicht damit gerechnet, dass es leicht werden würde. Ich habe immer gesagt, bei Reformmaßnahmen in doch wohlhabenden Gesellschaften – alles in allem: unsere ist so eine, im Vergleich zu anderen, gibt es zwei Probleme, die ganz grundsätzlicher Natur sind. Das erste ist, dass es einen Unterschied gibt zwischen der Bereitschaft, anzuerkennen, dass sich vieles verändern muss, und der Einsicht in diese Notwendigkeit und einer weniger entwickelten Bereitschaft, wenn man persönlich betroffen ist. Das ist das eine Problem, das wir haben.
Das andere ist, dass es eine zeitliche Kluft gibt zwischen den Maßnahmen, die ganz wichtig sind und heute beschlossen werden müssen, weil wir Zukunft sonst wirklich verlieren, und dem eintretenden Erfolg. Und diese zeitliche Kluft macht jeder Reformbemühung zu schaffen.“  Kann man ja mal darüber nachdenken. Siehe den Beitrag in meinem Blog über die SPD. 

Foto: Michael Haring/Pressebilderdienst Kindermann

SPD: Agenda-Trauma (2) 

Franz Müntefering, SPD, Ein Rückblick auf 10 Jahren Agenda 2010, das Ende von Gerhard Schröders Kanzlerschaft, von Rot-Grün also, (historisch interessant!), auf Münteferings politisches Wirken, Vor seinem Ausscheiden aus dem Bundestag ein sehr persönliches Gespräch, an das ich mich gern erinnere.

Einst im „schönsten Amt neben Papst“:
SPD-Vorsitz. Franz Müntefering 2013

Portraits (1)

Dieter Hildebrandt. Den Kabarettisten kannte ich schon aus meiner Zeit in der Pressestelle des SFB: „Scheibenwischer“ (ARD). Wir waren per „Du“. Im Inforadio galt für Gäste „Sie“. „Dieter, Sie…“ Schwierig… Ich hatte hohen Respekt vor seiner Schlagfertigkeit, was „zum Schlage bereit“ bedeute, wie er hier meint. Dieter konnte „kratzbürstig“ werden, wenn einer ihn ahnungslos befragte. Zum Glück hatte ich sein Buch „Nie wieder 80!“ genau gelesen.  Dieter, geboren am 23. Mai 1927 in Bunzlau, Schlesien,  liebte die Gedichte seiner Heimat. Man hört es hier!
Dieter Hildebrandt starb am 19. Dezember 2012 im Alter von 85 Jahren.

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Die lieben Kolleginnen und Kollegen und das Stichwort „kratzbürstig“. Man kann bestimmte Reaktionen von Prominenten doch manchmal verstehen, nicht wahr? Bundespräsident Johannes Rau erzählte einmal beim Bier mit Journalisten die Anekdote von der Begegnung mit einer jungen Fernsehreporterin in München. Nach einer Rede am 26. November 2003 aus Anlass des Gedenkens an die so genannte „Reichskristallnacht“  sei die junge Frau auf ihn zugekommen und habe gefragt; „Herr Bundespräsident, was war das Wichtigste an Ihrer Rede?“ Darauf der so qualifiziert angesprochene Bundespräsident: „Einleitung, Hauptteil, Schlussteil.“ 

In memoriam Dieter Hildebrandt, Foto: Christoph Vohler
[CC BY-SA 3.0 
Wikimedia. Lizemz

Portraits (2)

Margarete Mitscherlich-Nielsen. Im Alter von 93 Jahren das letzte ausführliche Interview mit der großen Psychoanalytikerin und Feministin über ihr Leben, auch mit Alexander Mitscherlich, („Die Unfähigkeit zu trauen“); Eifersucht; ihren Sohn; Sigmund Freud. als Gott; ihre Lust am Schminken („Eine deutsche Frau schminkt sich nicht, hieß es bei den Nazis.“); über Geburt („Ich wäre gern noch einmal schwanger.“), die Radikalität des Alters und den Tod. Making of: Aufwändigste Vorbereitung, Ich muste etwas lauter sprechen. Abschrift hier. Margarete Mitscherlich  starb am 12. Juni 2012.

In memoriam: Margarete Mitscherlich-Nielsen
mit „Gott“ (?) Sigmund Freud,  Foto: Walter Breitinger, S.Fischer-Verlage

Portraits (3)

Alice Schwarzer, Margarete Mitscherlichs Freundin. Das war eine Aufgabe! Es gibt in dem Gespräch eine Stelle, an der sie feststellte, wie genau ich ihr Buch „Lebenslauf“ gelesen hatte. („Kind“ oder „Kinder“, Plural?)  Ergebnis, auch durch ein paar Tricks, schon beim Empfang, um eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen: Offenheit. „OK, Ihr wollt es wissen. Hier ist mein Leben.“ Von Kinderwunsch bis Klitoris und: „So’n Quatsch, Männer sind nicht alle böse“ bis zu Anekdoten „unter Feministinnen“. An einer Stelle flirtete sie fast mit mir. („Ihre blauen Augen?“) Beachten Sie die Pause auf die Frage nach ihrer Verletzlichkeit. Abschrift hier.

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 Ich habe jedes Gespräch besonders wichtig genommen. Vor mir außerordentlich wichtigen Interviews habe ich manchmal den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen der schreibenden Presse gesucht, die ich noch aus „PresseTreff“-Zeiten kannte oder weil sie zu meinen Gästen zählten, wie Heike Schmoll von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Eliten. Mit Regina Mönch vom selben Blatt über Integrations- und Islam-Themen. Stephan Lebert, DIE ZEIT. war zu seinem Buch „Anleitung zum Männlichsein“ mein Gast gewesen. Er hatte für das ZEIT-Magazin ein langes Gespräch mit Alice Schwarzer geführt und gab mir wichtige Tipps für mein Interview. Dabei ging es mir jeweils nicht darum zu hören, was ich denn wohl fragen könnte. Das habe ich mir selbst erarbeiten können. Es ging neben einem normalen kollegialen Austausch um inhaltliche Fragen aus dem Themenbereich, den diese Kolleginnen und Kollegen ständig „beackern“, aber vor allem darum,  Informationen über das Verhalten und die Argumentationsweise von Interviewpartnern zu erfahren, die mir oft sehr wertvoll waren, so auch im Fall Schwarzer von Stephan Lebert. Dafür allen Presse-Kolleginnen und Kollegen an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!

Alice Schwarzer: Lebenslauf.

Portraits (4)

 Gregor Gysi. Den LINKE-Politiker hatte ich früher „hart rangenommen“. In einem Portraitgespräch zum Abschied als Fraktionschef („Buch: Ausstieg links“) galt es eher, die bisherige Lebensleistung (auch kritisch) zu würdigen. Ein Kritiker (!) nannte Gysi immerhin einen „historischen Glückfall“ als Ost-West-BindegliedAbschrift hier.

Gregor Gysi im ARD-Hauptstadtstudio, 2015

Leben (1)

Prof. Wolfgang Huber. Der frühere Bischof für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz und EKD-Ratsvorsitzende als Gast – eine reine Freude. „Sie haben mich so präzise gefragt, dass ich nicht ausweichen konnte“, sagte er mir nach der Aufzeichnung eines Gespräches über sein Ethik-Buch. Hier eines meiner am aufwändigsten vorbereiteten Gespräche – über Atheismus, anhand der Bücher von Richard Dawkins „Der Gotteswahn“ und Christopher Hitchens, „Der Herr ist kein Hirte“.

2013 nach Gespräch über sein Ethik-Buch.
Letztes Buch: Über Dietrich Bonhoeffer,

Leben (2)

Maja Storch, Psychoanalytikerin. „Mein Beruf ist Erfinderin“, schreibt sie auf ihrer Homepage. Sie ist Autorin eines Longsellers: „Die Sehnsucht der starken Frau nach dem starken Mann“: Männer wissen nach dessen Lektüre das oft merkwürdige Verhalten von so genannten „starken Frauen“ zu deuten – und diese sich selbst. Ein wunderbar erklärendes, vergnügliches Gespräch über emanzipierte Frauen (Die Bremsbelege vom R4 in der Frauen-Werkstatt selbst repariert.) und die Männertypen wilder Wolf (der Frauen oft enttäuscht) und netter Junge von nebenan, der sexuell nicht attraktiv zu sein scheint. In einem zweiten Gespräch berichtete Maja Storchs Bruder Johannes über seine – leidvollen – Erfahrungen als – platt gesprochen – „Frauenversteher“. Zusammen mit Schwester Maja gab er viele gute Ratschläge auch in dem Buch. „So können starke Männer starke Frauen lieben.“

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Die Themen Frauen und Männer, Rollenmuster, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, habe ich in „Zwölfzweiundzwanzig“ öfter aufgegriffen. Immer wieder ging es um Rollenprobleme. Mit Ursula von der Leyen, CDU, als sie noch Familienministerin war. Erwähnen möchte ich neben anderen das Gespräch mit der Österreicherin  Christine Bauer-Jelinek mit der für Männer tröstlichen Aussage, „Schuld sind nicht die Männer“, Untertitel ihres Buches „Der falsche Feind“. Dort schreibt sie auf Sete 157: „Der These von der unterdrückten Frau darf heute niemand mehr öffentlich widersprechen – kein Mensch, kein Medium, kein Manager und keine Partei kann sich das erlauben.“  Bauer-Jelinek hatte einmal in einem Interview über sich gesagt: „Ich komme aus ganz einfachen Verhältnissen und bin selbst der Prototyp dessen, was die Frauenbewegung bewirkt hat.“ Die Österreicherin coacht Frauen in Führungspositionen und auf dem Weg dorthin, ihr Herz schlägt politisch eher links. Und doch schreibt sie: “Wer politisch links steht, muss heute das Dogma von der in Vollzeit berufstätigen Frau, dem Mann am Herd und die Betreuung von Kindern und Alten in Krippen und Heimen akzeptieren.“ (137)  Sie weiß von vielen Frauen: „Die Doktrin des (Sie nennt es) Allmachts-Feminismus – Vollzeit-Erwerbstätigkeit für Männer und Frauen – fordert einen hohen Preis“, (117) Nämlich: „Zwischenmenschliche Beziehungen werden in den Hintergrund gedrängt; für Kinder und Alte, Intimität und Partnerschaft, Gesundheit und persönliche Weiterentwicklung bleiben neben Job und Hausarbeit weder Zeit noch Kraft.“ (Ebenda) Am meisten provozieren dürfte dieser Satz: „Frauen waren nie als Gesamtheit von Männern grundsätzlich unterdrückt.“ (144)  Gemeint im Sinne von: „Sowohl Männer als auch Frauen nahmen im Laufe der Geschichte unterschiedliche Positionen ein – mit allen Vor- und Nachteilen für beide, ohne dass eine Dominanz der Männer begründet wurde.“ 144. Und auch dieser Satz dürfte nicht so recht pc sein: „Frauen setzen ihre moralische, emotionale und sexuelle Macht als Geliebte, Ehefrau und Mutter in den persönlichen Beziehungen ein, um ihre persönlichen Interessen, aber auch Anliegen für die Gesellschaft durchzusetzen.“ (154f.)

Das Vereinbarkeitsthema gerann sogar zu einer „Lüge“ – im Buch von Susanne Garsoffky und Britta Sembach. Die Alles-ist-möglich-Lüge „Wir sind der Alles-ist-möglich-Lüge aufgesessen. Wir sind belogen worden und haben uns selbst belogen.“ 13.  Eine Abschrift des Gesprächs finden Sie hier.  

Das Thema wird ganz überwiegend aus der Perspektive der Frauen diskutiert. Die der Kinder spielt dabei meist kaum eine Rolle. Susanne Garsofky berichtet beispielsweise im Interview wie ihr siebenjähriger Sohn sie jeweils morgens gefragt habe, wer denn heute für ihn zuständig sei, Mama oder Papa. Hören Sie dazu auch das Gespräch mit dem Pädiater Rainer Böhm aus Bielefeld-Bethel unter „Leben (4)“ 

„Die Sehnsucht der starken Frau 
nach dem starken Mann“
Foto: Maja Storch privat.

Leben (3) 

Prof. emer. Heinz-Elmar Tenorth, Bildungshistoriker, HU-Berlin. Als „sozial“ gepriesene Schulformen (Sekundarschule, Gesamtschule) scheitern viel zu oft an ihrem Ziel „Aufstieg durch Bildung“. Im Gegensatz dazu ist die soziale Durchlässigkeit von Gymnasien meist höher. Immer mehr statt weniger Schüler bleiben ohne einfachen Schulabschluss. Eine neue Berliner Studio zu Lebensverläufen kommt sogar zu dem Schluss, dass Aufstiege künftiger Generationen unwahrscheinlicher würden.

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Das Thema beschäftigt mich schon länger. Die Eltern der heutigen Babyboomer, gebeutelt durch den Zweiten Weltkrieg, waren besonders beseelt von dem Gedanken, ihre Kinder sollen es einmal besser haben als sie. Das ist auch vielen gelungen, vielfach erreicht durch Entbehrungen in ihrem eigenen Leben. Zum Glück für die Bundesrepublik gab es die sprichwörtlich „Bildungsexpansion“. Ob schon für die Kinder der Babyboomer, aber erst recht für deren Kinder aus diesem Wunsch – meine Kinder sollen es einmal besser haben als ich – auch Wirklichkeit werden kann, oder ob lediglich das Halten eines erreichten sozialen Standards möglich sein wird, ist eine spannende Frage. Der erreichte Status ist ja auch oft wesentlich höher als der der Groß- oder Urgroßeltern.  Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichte im März 2019 auf ihrer Wissenschaftsseite über eine Berliner Studie über doe Lebensverläufs mehrerer Generationen. Die Schlussfolgerung ist interessant: Generell gelte, „dass gerade die in den vergangenen Jahrzehnten erreichten Modernisierungsgewinne der deutschen Gesellschaft Aufstiege für zukünftige Generationen eher unwahrscheinlich machen werden.“ Die Begründung ist sehr einfach; „Irgendwann kann es für alle nicht mehr weiter nach oben gehen.“ Heinz Elmar Tenorth spricht zudn vom Bildungsparadox, das darin bestehe, dass wenn alle Abitur haben, dieses frühere Bildungsprivileg immer mehr abgewertet werde. Die Autoren der Studie vermuten dem Bericht zufolge, der Focus von Eltern werde in Zukunft „eher auf Investitionen in den Statuserhalt ihrer Kinder liegen, als die Mittel für einen weiteren Aufstieg zu erwirtschaften.“ Das bedeute zwar kaum, dass die Bundesrepublik eine Abstiegsgesellschaft sei. Sie könne jedoch „eine Gesellschaft werden, wo es für die Mehrheit nur noch um den Erhalt des Erreichten gehen wird.“ (1)
Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Äußerung des Politologen Peter Graf Kielmannsegg in einer von mir geleiteten Podiumsdiskussion der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung (siehe „Ihr Moderator“) Seit den 1970er Jahren habe sich ein grundlegender „Wertewandel“ vollzogen. In der amerikanischen Politikwissenschaft habe Ronald Inglehart dazu zahlreiche Studien vorgelegt, die zeigten, so Gtaf Kielmannsegg, „dass sich in eiber kurzen Zeit ein grundlegender Wertewandel vollzogen hat, den er mit den Begriffen ‚materialistisch‘ und ‚postmaterialistisch‘ umschreibt. Die älteren Generationen sind in einem Wertehorizont zuhause, der sehr stark von materiellen Erwägungen bestimmt ist. Die jüngeren Generationen bewegen sich in einem Horizont, der postmaterialistisch ist, also die materiellen Werte nicht mehr so wichtig nimmt. Dies aber nicht, weil plötzlich eine mönchische Askese eingekehrt wäre, sondern weil der Wohlstand selbstverständlich geworden ist. Man setzt ihn einfach voraus. Und wenn man das materielle voraussetzt, dann kann man sich sehr gut für immaterielle Werte engagieren.“

(1) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, FAS, 10.03.2019, Seite 60. Der Bericht bezieht sich auf: Rolf Becker, Karl Ulrich Mayer: Societal Change and Educational Trajectories of Women and Men Born between 1919 and 1986 in (West) Germany, in: European Sociological Review, 2019, 1-22.

Foto: Baumert(HU-Berlin

Leben (4)

Dr. Rainer Böhm, Sozial- und Neuropädiater aus Bielefeld-Bethel über Kleinkindbetreuung, ein hochemotionales Thema, Man kommt  schnell in den Geruch, die moderne Zeit am liebsten zurückdrehen zu wollen. („Herdprämie“!) Dass nur die möglichst vollerwerbstätige Frau als emanzipiert gelten kann, ist geradezu ein Leitbild, an dem z.B. der rhrt linke Journalist Rainer Stadler in seinem Buch „Vater, Mutter, Staat – Das Märchen vom Segen der Ganztagsbetreuung“ heftig kratzte. Dr. Rainer Böhm argumentiert als Neuropädiater nicht aus der gesellschaftlich so nachvollziehbaren Frauen-Perspektive, sondern eben medizinisch begründet aus der des Kindeswohls.

Foto: Ingo Kahle

Leben (5)

Prof. Dr. Björn Schumacher, Alternsforscher an der Uniklinik Köln:  „Das Leben wird zum Ende hin immer kürzer und endet immer tödlich.“ Bekannt. Aber „Das Geheimnis des menschlichen Alterns“, die „Explosion“ in der Alternsforschung fand sich unter den 20.000 Genen eines Fadenwurms (Nematoden): Alternsgene, Die gleichen bestimmen auch das menschliche  Altern, und Sexualhormone lassen Männer im Schnitt 5-8 Jahre kürzer leben als Frauen. Ein lebensnahes Gespräch!

Foto: MFK/Uniklinik Köln

Leben (6)

Hans-Ludwig Kröber. Professor für forensische Psychiatrie, Kriminalgutachter. Thema: Sexueller Kindesmissbrauch. Seine anfängliche, wohl begründete Skepsis gegenüber Journalisten verflog im Interviewverlauf.  Er sagte mir später, ich hätte auch unbequeme, in der Öffentlichkeit nicht gern gehörte Argumente von ihm gelten lassen. Das Interview hat nichts von seiner Gültigkeit und vor allem Aussagekraft zum Thema sexueller Kindesmissbrauch verloren. 

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Auf einer Bischofskonferenz im  Februar 2019 in Rom fand Papst Franziskus starke Worte zum Thema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche.“Menschenschinder“. Franziskus hatte zuvor sogar schon den früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick (88)  aus dem Klerikeramt entlassen – die höchste Strafe, die das Kirchenrecht vorsieht.  Er wurde schuldig befunden des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen in Verbindung mit Machtmissbrauch. Das eigentliche Ergebnis der Konferenz stieß auf wenig Wohlwollen bei den Opferverbänden. 

Im Gespräch mit Prof. Kröber kommt das Thema Missbrauch in der katholischen Kirche durch Priester zur Sprache. Kröber, einer der meistbeschäftigten Kriminalgutachter, ist hier der Auffassung, dass pädophile Männer nicht gezielt den Weg ins katholische Priesteramt suchten, um dort vermeintlich ihren sexuellen Neigungen nachgehen zu können. Das sei ein viel zu aufwändiger Weg zu diesem Ziel. Vielmehr bemerkten viele Priester erst im Laufe der Zeit – auch, aber nicht ursächlich durch den Zölibat – die Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Sexualität und mit der Einhaltung der Regel der sexuellen Enthaltsamkeit. Nicht nur Opferverbände, sondern auch viele katholische Laien fordern eine Änderung der katholischen Sexualmoral. Beispiel: Maria 2.0.

Foto privat, © Michael Kröber

Europa im Krisenmodus (1)

Prof. Hans-Peter Schwarz. Historiker. Von vielen „Zwölfzweiundzwanzig“ zum Thema Europa, europäische Schuldenkrise habe ich hier vier ausgewählt. Ganz bewusst zuerst der Autor einer umfassenden, über 1000 Seiten starken (!) Biografie von Helmut-Kohl, weil er eine Lüge Kohls und weitere wichtige historische Zusammenhänge zur Euro-Entstehung aufzeigt, besonders in der zweiten Hälfte des Gesprächs. Der „Zeithistoriker allererster Güte“ (Cicero) verstarb am 14. Juni 2017 im Alter von 83 Jahren, zwei Tage vor Helmut Kohl. 

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Helmut Kohl im Dezember 1991 im Deutschen Bundestag: „Man kann dies nicht oft genug sagen: Die Politische Union ist das unerlässliche Gegenstück zur Wirtschafts- und Währungsunion. Die jüngere Geschichte, und zwar nicht nur die Deutschlands, lehrt uns, dass die Vorstellung, man könne eine Wirtschafts- und Währungsunion ohne Politische Union auf Dauer erhalten, abwegig ist.“ Zu diesem Zeitpunkt waren erste Vorbereitungen im Finanzministerium zur Einführung des Euro jedoch längst im Gange. 

Nach dem Maastricht-Gipfel 1991 erklärte Kohl im Deutschen Bundestag: „Gelungen, meine Damen und Herren, ist es vor allem, den Vorrang der Geldwertstabilität so eindeutig festzuschreiben, daß dies – das sage ich auch im Hinblick auf die öffentliche Diskussion in unserem Land, den Vergleich mit dem deutschen Bundesbankgesetz nicht zu scheuen braucht.“  Kohl verweist sodann auf das berühmte Maastricht-Kriterium, wonach die Neuverschuldung unter drei Prozent des BIP liegen muss und wertet:  „…..das ist ein bisher einmaliger Vorgang,  daß sich souveräne Staaten im Rahmen internationaler Verträge zu einer dauerhaften Begrenzung ihrer öffentlichen Verschuldung verpflichten und darüber hinaus bereit sind, bei Verletzung der Haushaltsdisziplin abgestufte Sanktionen zu akzeptieren….Damit sind völkerrechtlich bindende Regelungen vereinbart, mit denen verhindert werden kann, dass die auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik durch eine falsche nationale Haushaltspolitik unterlaufen werden kann.“ Zitiert nach Schwarz‘ Kohl-Biografie, Seite 702, in dieser Sendung im Originalton zu hören. Kohl verlässt sich also darauf,“dass alle Staaten, die das komplizierte Vertragswerk unterschrieben haben, sich auch getreulich daran halten werden.“ Schwarz, 702f.

Hans-Peter Schwarz schildert den Streit um die Frage, ob der Holländer Wim Duisenberg oder der Franzose Jean-Claude Trichet, der später fleißig griechische Staatsanleihen kaufte – Präsident der Europäischen Zentralbank, der EZB, werden sollte und zieht, da es Trichet wurde, das Fazit: „Wieder einmal … hat ein französischer Präsident demonstriert, dass der Euro für ihn genauso wie zuvor für Mitterand nicht primär ein großer Schritt zum vereinten Europa ist, sondern ein Instrument französischer Machtpolitik, um die Dominanz der D-Mark ein für allemal zu beseitigen.“ Schwarz, 815

Margaret Thatcher, die damalige britische Regierungschefin (Tories), prophezeite das Gegenteil von gebrochener Macht: Deutschland werde eine Führungsrolle einnehmen. Auch wenn das so ist und gar wider Willen so ist: Man kann fragen, ob die in Europa so verbreitete Klage über Merkels Austeritätspolitik“ ein Widerstand gegen Deutschlands Status als europäische Führungsmacht ist, oder besser, nach Herfried Münkler, „Mittelmcht wider Willen“. 

Aktuell steht es nicht gut um die deutsch-französischen Beziehungen, trotz des neuen „Aachener Freundschaftsvertrages“. Das hier beschriebene Muster, wonach es Frankreich immer darum zu tun iat, die Wirtschaftskraft Deutschlands „einzugehen“ zeigt sich auch aktuell wieder. Emmanuel Macron muss sein Land sanieren, die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Das versucht er durch eine Erneuerung Europas, welche auf die finanzielle Hilfe Deutschlands baut, zu bewerkstelligen. In Deutschland stößt dies auf00 Widerstand sowohl der Kanzlerin als auch ihrer Wunschnachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Beispiel: Europäischer Mindestlohn, wie er von der SPD gefordert und von der Union abgelehnt wird. Natürlich würde eine Vereinheitlichung auf dem hohen französischen Niveau die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs erhöhen – auf Kosten Deutschlands. In Frankreich hat der Präsident den Mindestlohn aktuell auf 10.03 Euro je Stunde festgesetzt. Die Erhöhung um 100 Euro bei einer Wochen-Arbeitszeit von 35 Stunden kam auf Druck der Gelbwesten-Proteste zustande. Diese Mindestlohn ist einer der Gründe für die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich. Zum Vergleich: Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland liegt seit dem ersten Januar 2019 bei 9,19 Euro und wird zum 1. Januar 2020 auf 9,35 Euro angehoben – ohne eine gesetzlich festgesetzte 35-Stunden-Woche. Die Jugendarbeitslosigkeit in Frankreich lag im Januar 2019 bei 20,1 Prozent, in Deutschland bei 6 Prozent. Das ist die niedrigste Quote in der gesamten Europäischen Union. Der Durchschnitt in den Ländern der Eurozone lag zum selben Zeitpunkt bei 16,5 Prozent. Sollte Deutschland also wirklich seinen Wettbewerbsvorteil zugunsten Frankreichs oder anderer Länder der EU durch einen einheitlichen europäischen Mindestlohn aufgeben?  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In memoriam Hans-Peter Schwarz. 
Foto: Dominik Rößler, DVA

Europa im Krisenmodus (2)

Viviane Reding, seinerzeit als EU.Justiz(!)-Kommissarin Vizepräsidentin der EU-Kommission. Das Gespräch mit der der Christlich-Sozialen Volkspartei CSV in Lixemburg angehörenden Politikerin zeigt all die Begründungen auf, mit denen von Helmut Kohl so gepriesenes Recht (z.B. der Stabilitätspakt) immer wieder gebrochen wurde. Zuerst übrigens von Deutschland und Frankreich, geführt von Gerhard Schröder und Jacques Chirac. „Ihr Deutschen stellt immer dieselben Fragen“, kritisierte sie mich nach dem Gespräch, als ich sie im Fahrstuhl des Brüsseler ARD-Studios nach draußen begleitete. Ich denke, es waren die richtigen.

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Denken wir an das, was Helmut Kohl im Deutschen Bundestag gesagt hatte, im Originalton im Gespräch mit Hans-Peter Schwarz zu hören: …“völkerrechtlich verbindlich…“ Das sieht so aus: Es gibt in dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) eine Klausel – Artikel 125 – die ein für die Währungsunion grundlegendes Prinzip verankert, das auch für jegliches menschliche Handeln gilt: Die Einheit von Handeln und Verantwortung. Die Regel bedeutet: Kein Staat haftet für die Schulden eines anderen. „No-Bail-Out“. Wortlaut: „Ein Euro-Staat haftet nicht für die Schulden eines anderen Euro-Staats und tritt nicht in diese ein.“ Mit anderen Worten: Ausgeschlossen werden hier nur eine automatische Mithaftung eines Euro-Staats für einen anderen sowie ein Schuldbeitritt. Nicht ausgeschlossen wird damit die freie Entscheidung jedes souveränen Staats, ob er einem Nachbarstaat einen Kredit gewährt oder ihn anderweitig finanziell unterstützt.“

Wie interpretierte Viviane Reding als Justiz(!)-Kommissarin diese Regel? Auf dem Deutschen Juristentag am 18.09.2012 in München sagte sie: „Ein Euro-Staat haftet nicht für die Schulden eines anderen Euro-Staats und tritt nicht in diese ein. Mit anderen Worten: Ausgeschlossen werden hier nur eine automatische Mithaftung eines Euro-Staats für einen anderen sowie ein Schuldbeitritt. Nicht ausgeschlossen wird damit die freie Entscheidung jedes souveränen Staats, ob er einem Nachbarstaat einen Kredit gewährt oder ihn anderweitig finanziell unterstützt. Dies bestätigt auch eine systematische Lesart der Verträge. Drei Artikel vor dem berühmten Artikel 125 AEUV steht Artikel 122 AEUV, der in der deutschen Diskussion praktisch nie Erwähnung findet. Dort heißt es, dass der Rat der EU-Finanzminister mit qualifizierter Mehrheit beschließen darf, einem EU-Mitgliedstaat, der sich aufgrund außergewöhnlicher Ereignisse in Schwierigkeiten befindet, einen finanziellen Beistand der Union zu gewähren.“ Die damalige französische Finanzministerin Christine Lagarde sagte es 2010 klarer: „Wir sind über die bestehenden Regeln hinausgegangen“. Der französische Europaminister Lellouche erklärte, die EU habe „de facto den Vertrag geändert“. FAZ 23.12.2010

Im Gespräch plädiert Viviane Reding für die Vereinigten Staaten von Europa mit diesen Worten: „Ich habe gesagt, was die Regierung anbelangt, da liege ich mit Angela Merkel auf einer Linie. „Vereinigte Staaten von Europa“  ist ja einen  Schritt weiter gedacht. Das wäre ein Gebilde, das ungefähr so aussehen würde wie Deutschland. Deutschland ist ja auch „Vereinigte Staaten“. Es ist ja auch eine Föderation von Ländern und einer Zentralregierung. Und die Länder haben ja auch noch Befugnisse und es gibt das Zwei-Kammer-System, was mir auch für Europa vorschwebt. Also eine sehr starke Zuständigkeit des Europäischen Parlaments, direkt gewählt von den Bürgern. Das Europäische Parlament, was ja dann auch den Präsidenten der Regierung bestimmen könnte aber dann auch aufgelöst würde, wenn die Regierung fallen würde. Und als zweite Kammer die Kammer der Staaten,  so wie der Bundesrat besteht. Ein solches Gebilde schwebt mir vor. Weil die Art und Weise, wie wir jetzt schnell, schnell, schnell Maßnahmen ergriffen haben zwischenstaatliche Maßnahmen sind, die diese Kontrolle des Europaparlaments und der zweiten Kammer nicht so sehr beinhalten wie das in einer wohl funktionierenden Demokratie eigentlich notwendig wäre.  

Viviane Reding, Luxemburg,
2012 im ARD-Studio Brüssel.

Europa im Krisenmodus (3)

Thilo Sarrazin. Ich erinnere mich noch gut, wie Margit Miosga in den ARD-Tagesthemen vergeblich versuchte, vom Commerzbank-Chefökonomen im Grunde die Aussage zu erreichen, Thilo Sarrazin schreibe in seinem Buch „Europa braucht den Euro nicht“ Unsinn. Fachlich also wenig dran zu rütteln.  Meinungen muss man nicht teilen. 

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 Als Thilo Sarrazins Euro-Buch herauskam, konnte manwie bei allen seinen Büchern – zweierlei beobachten. Erstens, dass der Autor in sein Buch und die entsprechenden Vor-Veröffentlichungen jeweils einen Satz einbaut, von dem er sich hohe Aufmerksamkeit versprechen kann, weil zweitens Medien, Netzöffentlichkeit und Politik geradezu reflexartig darauf – meist ablehnend – reagieren und so die interessierte Leserschaft erst recht dazu bewegen, seine Bücher zu kaufen. Im Fall des Euro-Buches stand dieser Satz auf Seite 203: SPD, GRÜNE, LINKE seien „getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben.“ Gleich am Beginn dieses Gespräches gehe ich darauf ein. 

Thilo Sarrazins letztes Buch Feindliche Übernahme war mit bisher (Februar 2019) 270.000 verkauften Exemplaren und fünf Monaten auf der Spiegel-Bestsellerliste ein publizistischer Erfolg. Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird er weitgehend ignoriert. Über sein Buch „Der neue Tugendterror“ durfte auch ich seinerzeit in „Zwölfzweiundzwanzig“ nicht mit ihm reden. Begründung: Ich hätte ihn nicht zum dritten Mal einladen dürfen. (nach „Deutschland schafft sich ab“ und „Europa braucht den Euro nicht.“. Dabei waren die Gespräche mit ihm immer spannend und nie unkritisch  geführt. Ich habe ihn jedenfalls nicht ausgeladen. Der Untertitel des Buches „Der neue Tugendterror“ lautet, wie passend: „Über die Grenzen der Meinungsfreiheit“. Andreas Rödder rät in dem Gespräch, das Sie auf dieser Seite hören können, die Räume für Diskurse nicht zu klein zu halten, die „Grenzen des Sagbaren“, wie er es nennt,  nicht zu eng zu ziehen, weil sich sonst an den „Abbruchkanten“ radikale Kräfte sammeln. Wie wahr.

Sarrazin formuliert, was ganz offensichtlich ein wesentlicher Teil der deutschen Bevölkerung denkt. Sonst wären seine Bücher nicht so erfolgreich. Ihn im öffentlich-rechtlichen Rundfunk , finanziert durch den Rundfunkbeitrag für alle, zu ignorieren, halte ich für falsch. Ebenso den Versuch des FAZ-Kollegen Justus Bender in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung,  einen neuen Ausschlussantrag der SPD gegen Thilo Sarrazin geradezu herbeizuschreiben, noch bevor Bender auch nur eine einzige Zeile der „Feindlichen Übernahme“ hatte lesen können. Das halte ich sogar für Kampagnenjournalismus, welcher der von mir hoch geschätzten FAZ unwürdig ist. ika

Foto: Thilo Sarrazin privat

Europa im Krisenmodus (4) 

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, wollte in diesem Interview eine Debatte tottreten. Deshalb bekam dieses Gespräch hohen Nachrichtenwert. Unter Verweis auf dieses Interview „grillten“ die Kollegen den Regierungssprecher in der Bundespressekonferenz. Merkels  Wirtschaftsminister Philipp Rösler, FDP, hatte eine ungeordnete Insolvenz Griechenlands, mithin einen GREXIT, nicht ausgeschlossen. („Keine Denkverbote“)  Dauer des Termins bei der Kanzlerin: 20 Minuten, inklusive Begrüßung und Foto. Abschrift hier.

„Schluss jetzt. Wir machen hier keinen Fototermin!“
Also Stoppuhr im iPhone starten und los! 
Foto: © rbb/Oliver Ziebe

Integration von Migranten (1)

Kirsten Heisig. Die Berliner Jugendrichterin wurde oft missverstanden. Ihr „Berliner Modell“ sollte Intensivtätern helfen, nicht mehr straffällig zu werden, mit schnellen Urteilen als klare Ansagen der Gesellschaft. Mit hohem Engagement versuchte sie, in der türkischen und arabischen Community präventiv zu wirken. Veranstaltungen für Eltern, unter schwierigen Bedingungen auf die Beine gestellt, erlebte sie nicht unbedingt als Ermutigung für ihre Arbeit. Auch ihr Medienecho ärgerte sie manches Mal: „Richterin gnadenlos“ u.ä. 2010 erschien ihr Buch „Das Ende der Geduld“ .
Am 28. Juni 2010 nahm sich Kirsten Heisig das Leben. Über die Gründe sollte niemand spekulieren.

In memoriam Kirsten Heisig
©Stefan Kuperion. Herder-Verlag

Integration von Migranten (2)

Ahmad Mansour. Der israelische Palästinenser, Diplom-Psychologe, sagt es immer sehr offen: „Wir haben Probleme bei der Integration“. Er selbst ist ein Musterbeispiel gelungener Integration. In zahlreichen Projekten hilft er Jugendlichen, es ihm nachzutun, zum Beispiel „Heroes“. Er übt scharfe Kritik am politischen Islam. Mansours interessanter Lebensweg und die „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“.

Macht und Pracht des Islam: Scheich-Zayed-Moschee in Abu Dhabi. © Foto: Ingo Kahle

Rechtsterrorismus

Stefan Aust und Dirk Laabs. WELT-Herausgeber der eine, Filmemacher der andere. Beide haben auf über 800 Seiten die Mordtaten des so genannten „NSU – Nationalsozialistischer Untergrund“ – nachgezeichnet: „Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie des NSU“. Danach bleibt eine entscheidende Frage: Bedeutet das Behördenversagen im Fall NSU, dass der Staat uns nicht vor Terrorismus schützen kann? 
Die Hauptangeklagte im Münchener NSU-Prozess, Beate Zschäpe, wurde im Juli 2018 als Mittäterin wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. 

Stefan Aust. Foto : Olivr Schulze. Dirk Laabs. Foto: Randomhouse

SED-Staat (1)

Prof. Klaus Schroeder, Politologe, Leiter des Forschungsstabes „SED-Staat“ an der Freuen Universität Berlin. Gegen die Verklärung, die DDR sei nicht pleite und keine Diktatur, kein Unrechtsstaat gewesen. „DDR pleite, Mauer weg, Sozialismus dahin. Woran ist das DDR-System eigentlich wirklich gescheitert?“ Schroeder tut viel, um der Verklärung zu begegnen. Einfach hat er es damit bei seinen Studentinnen und Studenten nicht. Umfassend sein Buch: „Der SED-Staat. Geschichte und Strukturen der DDR 1949 – 1990“ 

Prof. Klaus Schroeder, FU-Belin 

SED-Staat (2)

Karl-Heinz Richter. Ein Gespräch gegen die Verklärung der DDR-Diktatur. Insbesondere junge Menschen wissen gar nicht mehr, was es wirklich hieß, die DDR nur unter Lebensgefahr verlassen zu können. Sie sollten hören, was im Jahre 1964 der damals 17-jährige Karl-Heinz Richter erlebte. Er wollte aus der DDR durch Aufspringen auf den aus dem Bahnhof Berlin-Friedrichstraße langsam ausfahrenden Moskau-Paris-Express fliehen. Richter stolperte und verpasste den Zug – mit schlimmen Folgen: Stasi-Gefängnis.

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Das hier gezeigte Foto ist eines von mehreren aus der Stasi-Akte von Karl-Heinz Richter.  Es zeigt jene Stelle am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße, an der er im Jahr 1964 im Alter von 17 Jahren, wie einige seiner „Kumpel“ auch, auf die Bahngleise gelangte, um auf den langsam aus dem Bahnhof ausfahrenden MoskauParis-Express aufzuspringen und am Bahnhof Berlin-Zoologischer Garten – im Westen, in Freiheit – wieder auszusteigen. .Richter hat es als einziger aus seiner Clique nicht geschafft, ist gestolpert und kam so in die Fänge der DDR-Staatssicherheit. Richter hat darüber und über sein weiteres, recht abenteuerliches Leben zwei Bücher geschrieben. „Mit dem Moskau-Paris-Express in die Freiheit – Eine Flucht von Ost nach West“, und „Anagramm (Aufgeschriebenes, ika)) – Eine wahre Geschichte“, beide erschienen im Selbstverlag, Mehr dazu auf Karl-Heinz Richters Homepage. Richter leitet heute Führungen durch das Stasi-Gefängnis, die  Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen.

Das Foto stammt aus Karl-Heinz Richters Stasi-Akte
Siehe „mehr lesen“.

SED-Staat (3)

Ludwig A. Rehlinger. Wenn Diktaturen Geld brauchen, verkaufe sie ihre politischen Gefangenen. 1963 begann für 29 Jahre der Freikauf politischer Häftlinge aus DDR-Gefängnissen durch die Bundesrepublik, betreut von Ludwig Rehlinger. Ein wichtiges Kapitel deutsch-deutscher Geschichte, an das ich in diesem Gespräch mit dem damals 86-jährigen Zeitzeugen gern erinnern möchte.

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Offiziell hieß der Freikauf von DDR-Bürgern „Besondere Bemühungen der Bundesrepublik im humanitären Bereich“.  Gemeint war der Freikauf politischer Häftlinge aus DDR-Gefängnissen durch die Bundesrepublik. Manche nannten es schlicht „Menschenhandel“. Fast 34 000 Häftlinge wurden freigekauft, mehr als zweitausend Kinder konnten zu ihren Eltern zurückkehren, 250.000 Familien wurden zusammengeführt. Das hat die Bundesrepublik 3,5 Mrd. DM gekostet, wertvolle Deviseneinnahmen für die DDR. Darüber habe ich mit Ludwig A. Rehlinger  gesprochen, einem Zeitzeugen, der das von Anfang an begleitet hat. Der zum Zeitpunkt des Interviews 86-Jährige Jurist begann im Jahre 1957 seine Tätigkeit im Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, leitete lange Jahre dessen Außenstelle in Berlin (West). Das CDU-Mitglied war schließlich von 1982 bis 1988 beamteter Staatssekretär im Ministerium für innerdeutsche Beziehungen und amtierte von 1988 bis 1989 als Berliner Justizsenator im Senat Diepgen zwei.

Ludwig A. Rehlinger, 2013

SED-Staat (4): Einheit!

Richard von Weizsäcker, Bundespräsident a.D.: Ich interviewte die Bundespräsidenten Johannes Rau und Horst Köhler im Amt und Richard von Weizsäcker a.D. Mit ihm sprach ich, 20 Jahre nach Erlanger dem Mauerfall,, über sein Buch „Der Weg zur Einheit“. Ein wunderbarer Zeitzeuge. der den historisch in seiner Partei, der CDU, verbreiteten, oft heftigen, ja verbissenen Widerstand gegen Brandts Ostpolitik nicht geteilt hatte . Überparteilich, wie er sich als Bundespräsident auch „außer Dienst“ gab, wollte er darüber jedoch nicht reden.  Es war riskant, hier „nachzubohren“; „Wir reden hier nicht über Innenpolitik!“.

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Falls Sie sich wundern, dass die meisten meiner Gäste Bücher geschrieben hatten: „Zwölfzweiundzwanzig – Zu Gast bei Ingo Kahle“ war keine Literatursendung. Natürlich hat man erst einmal eine Menge Gesprächsstoff, wenn ein Gast ein Buchh geschrieben hatte. Und wie man hier hören kann, lohnt es sich auch nach Jahren noch, das Gespräch anzuhören. Ein Gespräch über Buch erforderte jedoch in meinem Verständnis nicht nur dessen genaue Lektürem, sondern immer auch zur Vorbereitung mehr und andere Quellen. Ich habe über Jahre ein „Handarchiv“, online natürlich, gepflegt, in dem ich viele Zeitungsartikel zu unterschiedlichen Themen ständig gesammelt und vor den Interviews jeweils durchgearbeitet habe. Daraus habe ich dann eine Datei mit Exzerpten gefertigt, die ich meinen „Steinbruch“ nannte. Daraus wiederum wurde dann die konkrete Vorbereitung für ein Gespräch. Quellenangaben hatte ich immer parat. FDP-Chef Christian Lindner fragte einmal, als ich ihn an einem etwas wunden Punkt erwischt hatte, wie ich denn auf diese Behauptung käme. Ich konnte sofort auf das entsprechende Zeitungsinterview – mit Zitat! – verweisen. 

Richard v. Weizsäcker 1984
© Bundesarchiv, Bild 146-1991-039-11 /
CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de 

Trailer für „Zwölfzweiundzwanzig“ im Programm von Inforadio

Für„Zwölfzweiundzwanzig – Zu Gast bei Ingo Kahle“ wurde von Donnerstag bis Sonnabend mit Trailern geworben. Hier drei meiner Favoriten. Nummer 1: Für ein Gespräch 2006 mit Oskar Lafontaine, damals Fraktionschef DIE LINKE im Bundestag. Alles, was der Apple-Pro-Tools-Computer möglich machte. Dank an das gesamte Produktionsteam für die Arbeit in all den Jahren.
Nummer 2: Für das Jahresende habe ich manchmal Jahresrückblicke produziert, Originalton-Zitate aus Gesprächen in „Zwölfzweiundzwanzig“, mit Augenzwinkern zusammengestellt. „Best of 2007“, u.a. mit Rainer Brüderle, Guido Westerwelle und dem geborenen Schlesier Dieter Hildebrandt. Nummer 3: Jahresrückblick 2008 mit einem Bekenntnis Wolfgang Schäubles, dem Unterwäsche-Geheimnis der Professorin Miriam Meckel, heute Ehefrau von Anne Will,  und der Weisheit des Peter Struck, einst SPD-Fraktionschef im Deutschen Bundestag, gestorben am 19. Dezember 2012.