Zwölfzweiundzwanzig – Zu Gast bei Ingo Kahle

© Ingo Kahle. 10 Jahre „Zwölfzweiundzwanzig“.

…im Inforadio des rbb, für Berlin und Brandenburg, diese Sendung habe ich seit 2006 aufgebaut und bis Mai 2016 gestaltet und geprägt, mit hohem Engagement als  alleiniger Redakteur und Moderator. Sie war zu meiner Zeit, neuere Zahlen liegen mir nicht vor, die erfolgreichste Einzelsendung dieses Berlin-Brandenburger Nachrichtenradios, geschätzt vor allem wegen ihrer inhaltlichen Tiefe und Themenvielfalt, auch über den Tag der ersten Ausstrahlung hinaus. „Mein“ å(Hör-)Publikum war sehr interessiert, oft überaus dankbar für meine intensive Arbeit und auch sehr aufmerksam. Ein treuer Hörer schrieb mir z.B. noch zwei Jahre nach Ausstrahlung des Interviews mit Alice Schwarzer, er habe die darin enthaltene lange Pause in Schwarzers redefluss noch gut in Erinnerung. Noch nie habe er sie so sprachlos erlebt.

Warum sollten Sie sich vor einiger Zeit produzierte Sendungen zu einem Thema Ihres Interesses anhören? Nun, die Gespräche sind zeithistorisch und politologisch immer noch interessant (Gerhard Schröder, Franz Müntefering, Andreas Rödder, Armin Nassehi, Thomas de Maizière), oder auch als Porträt (Dieter Hildebrandt, Gregor Gysi, Alice Schwarzer, Margarte Mitscherlich). Sie bieten auch heute noch viel Wissenswertes oder zeigen die wesentlichen Aspekte eines wiederkehrenden Themas (Z.B.Sexueller Kindesmissbrauch, Atheismus, Aufstieg durch Bildung, SED-Staat, Deutsche Einheit). Es geht schneller, sie zu hören, als ein Buch zum Thema zu lesen, das man ja auch mehrmals in die Hand nehmen kann, um etwas nachzulesen; hier also nachzuhören, Viel Freude also beim Hören der Podcasts auf meiner Website und heutiger„Zwölfzweiundzwanzig“im rbb-Inforadio des rbb, moderiert von Sabina Matthay.

Meine erfolgreichsten "Zwölfzweiundzwanzig"

Woran soll man den Erfolg einzelner Radiosendungen messen? Es liegen zwar Umfragen zur Radionutzung im Allgemeinen (Media-Analyse), nicht aber Einschaltquoten für jede einzelne Sendung vor, so wie man das vom Fernsehen kennt. Die Zahlen der Media-Analyse zeigten: „Zwölfzweiundzwanzig“ war die erfolgreichste Einzelsendung dieses Nachrichtenradios. Den Erfolg einzelner Sendungen messe ich   anhand der Daten, die das Internet bietet. Die Sendung mit dem Kasseler Evolutionsbiologen Prof. Ulrich Kutschera über „Gender Mainstreaming“ war danach mit 33.000 Klicks und Downloads die mit Abstand erfolgreichste (und auch umstrittenste) der von mir moderierten 385 Ausgaben „Zwölfzweiundzwanzig“. Sie brachte mir leider eine Programmbeschwerde ein, die aus formalen Gründen (zu spät eingereicht) zurückgewiesen wurde. Schade eigentlich. Auf das Ergebnis wäre ich gespannt gewesen. Auf ZEIT-Online erschien eine feministische Kritik, worauf mehr als 800 User sich überwiegend gegen diese Kritik und „Gender Mainstreaming“ äußerten, übrigens erkennbar vor allem aus dem universitären Bereich. Wichtig ist mir: In seinem (wie er selbst fand) leider erst später erschienenen Buch „Das Gender-Paradoxon“ finden sich für jede der im Interview möglicherweise pauschal und kämpferisch wirkenden Aussagen Kutscheras die wissenschaftlichen Belege. Und vielleicht kann man den Erfolg ja auch daran messen, ein Thema aufgegriffen zu haben, das viele Menschen ganz offensichtlich mächtig bewegt.

Auf Platz 2 meiner Rangliste steht mit 25.000 Klicks Prof. Gunnar Heinsohn, emer. Uni Bremen, geführt auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015, gefolgt von dem im Oktober 2018 leider verstorbenen Architekten Konrad Fischer über – genauer: gegen – das Dämmen von Häusern.