Über mich

Über drei Jahrzehnte:
Hinein in den SFB/rbb, Haus des Rundfunks…

…Es war immer spannend.
Aber dann war’s auch gut.

ich bin ein Berliner. Ich wurde 1952 in Berlin-Hermsdorf, Bezirk Reinickendorf, geboren. In Berlin-Waidmannslust, in der Artemisstraße, ging ich zur Grundschule. Heute: Münchhausen-Grundschule. 1964 zogen wir nach Reinickendorf. Mein Abitur erreichte ich an der dortigen Bertha-von-Suttner-Schuleeinem neusprachlichen Gymnasium.

Ich kann sagen: Ich bin meinen Weg gegangen, zielstrebig in Richtung Journalismus – von der Schülerzeitung „Glaskasten“, später „res novae“,  die damals einigen Wirbel verursachte, über das Studium bis zum Radio. An der Freien Universität Berlin studierte ich Publizistik, Politologie und Philosophie, Abschluss Magister Artium, MA, „mit Auszeichnung“ – mit einer Arbeit zum Thema „Der lange Weg zur IG Kultur. Von den Anfängen der deutschen Arbeiterbewegung bis zum Jahr 1975.“ Neben dem Studium und in dessen Anschluss arbeitete ich als freier Mitarbeiter für RIAS-Berlin, dort vorwiegend für die Jugendsendung „Treffpunkt“, für Rundfunkanstalten der ARD sowie für Medien-Fachdienste.

1978 wurde ich auf Wunsch des damaligen Pressechefs des Senders Freies Berlin, SFB, Peter Kröger, Redakteur in der Pressestelle dieses Senders. Intendant: Der 2018 verstorbene Sozialdemokrat Dr. Wolfgang Haus. Der Wechsel 1983 in den „Zeitfunk“ brachte mich an mein eigentliches Ziel: aktuelles Radio gestalten, das schnelle Medium – als Redakteur und Moderator in den populären Sendungen „Rund um die Berolina“, in den „Echos“ – „…am Morgen, …am Mittag und …am Abend“. Viele Sondersendungen moderierte ich dort. Für die  Pogrammaktion zur Verkehrssicherheit „Aber sicher“ erhielt ich den Christophorus-Preis. Der wunderbarste, unvergessliche Höhepunkt dieser „Zeitfunk“-Zeit waren jedoch der Abend und die Nacht vom neunten auf den zehnten November 1989, der Fall der Berliner Mauer. Meine Schilderung dieser „Nacht der Nächste“ lesen Sie hier. 

...und dann kam INFOradio...

Und danach, mit dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin, mit der Absicht, in der nunmehr auch de facto  Hauptstadt gewordenen Stadt Berlin, meiner Heimatstadt, ein öffentlich-rechtliches Nachrichtenradio zu gründen, kam Inforadio. Sendestart Ende August 1995. Dorthin wollte ich unbedingt und es klappte auch. Inforadio war als ein Gemeinschaftsprojekt gegründet worden, nämlich des Senders Freies Berlin (SFB) und des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB), beide später zum Rundfunk-Berlin-Brandenburg, rbb, fusioniert. Intendanten waren damals Günther von Lojewski (SFB) und Hansjürgen Rosenbauer (ORB).

Inforadio war eine echte Herausforderung für mich, denn erstens war dies das erste einzig mit digitaler Technik arbeitende Nachrichtenradio Deutschlands. Und natürlich war es zweitens inhaltlich-gestalterisch etwas Neues. Es kam ein hochmotiviertes Team zusammen. Niemand konnte sich diesem gemeinsamen Willen zum Erfolg entziehen. In dieser Gründungsphase hatten wir einen Chefredakteur Inforadio, den 2014 verstorbenen, früheren Nachrichtenchef des SFB, Reinhard Holzhey, der uns machen ließ, der spürte, wie sich dieses Team stets selbst motivierte und antrieb. Und das in einer flachen Hierarchie. Wo gibt es denn so etwas, dass ein nicht an hierarchischer Spitze stehender Redakteur wie ich ein Interview mit dem Bundeskanzler nicht nur organisieren soll, sondern auch noch selbst führen darf? (Siehe meine „Podcast“-Seite) 

Es galt, in diese recht unterschiedlich zusammengesetzten Team journalistische Standards Allgemeingut werden zu lassen und dem Programm eine Reputation in der Hauptstadt, in dem sie umgebenden Brandenburg  und auch bundesweit zu erarbeiten. Der Durchbruch zu deutlich steigenden Hörerzahlen kam 1997 mit der „Oderflut“, als Inforadio nicht nur als Kommunikationsplattform für beteiligte Behörden, sondern auch als stete Möglichkeit angenommen wurde, die betroffene Bevölkerung über den neuesten – im wahrsten Sinne des Wortes – Wasserstand zu informieren und diese das auch zu nutzen und zu schätzen wusste.

Ich kann sagen, dass ich dieses Programm als Redakteur, Chef vom Dienst und vor allem auch als Moderator, zusammen mit diesem  hochengagierten Team mit geprägt habe, 10 Jahre auch durch meine Moderation des Frühprogramms ab 06.00 Uhr morgens. Ich habe in dieser Zeit rund 3.500 Interviews geführt und war jährlich mehr als 300 Stunden „on air“. Nachdem ich die von meinem Kollegen Volker Mayr aufgebaute und interimsweise von Peter Pistorius betreute, renommierte Sendung „PresseTreff“ übernommen hatte, erhielt ich 2006 die Chance, diese auf dem sehr guten Sendeplatz von 12:22 bis 13.00 Uhr am Sonnabend als „Zwölfzweiundzwanzig – Zu Gast bei Ingo Kahle“ fortzuführen und weiterzuentwickeln – als alleiniger Redakteur und Moderator, redaktionell unterstützt lediglich von meiner Assistentin Gabriela Götze – danke!  – und technisch von vielen hochprofessionellen Kolleginnen und Kollegen im rbb und im ARD-Hauptstadtstudio, die ich hier nicht alle namentlich nennen kann, ihnen aber ebenso danken möchte.

Ich habe in diesen 21 Jahren Inforadio sehr vielen Menschen sehr viel gegeben, an intellektueller und auch emotionale Kraft und auch an Zeit. Mitte 2016 trat ich vorzeitig in den Ruhestand. Nicht weil ich etwa müde war. Es gab andere Gründe, Punkt. Spekulieren lohnt nicht. Ich werde oft gefragt, ob ich diese doch so überaus interessante Arbeit vermisse. Ich antworte dann meist: „Das mag manchmal so sein. Aber im selben Moment denke ich dann, Du kennst den hohen Preis, den es Dich (gern!) gekostet hat, diese Sendung so zu machen – eben viel Kraft und wirklich viel Zeit bis deutlich hinein ins Privatleben. Deshalb: nein.“