Ehrenamt

Foto: Ingo Kahle

Ausbildung

Die Ausbildungs zum ehrenamtlichen Hospizhelfer (Zertifikat) absolvierte ich im Friederike-Fliedner-Hospiz des Evangelischen Johannesstiftes in der Reinickendorfer Straße 61 in Berlin-Wedding. Der ca. 100-stündige Kurs unter der Leitung von Nadine Fröde und Peter Anhalt enthielt folgende Inhalte. 

  • Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, Sterblichkeit und den persönlichen Erfahrungen mit Sterben, Tod und Trauer
  • Bedürfnisse sterbender Menschen
  • Rolle als Sterbebegleiter, Nähe und Distanz
  • Selbstfürsorge (z.B. Kraftquellen), Umgang mit den eigenen Grenzen
  • Kommunikation mit sterbenden Menschen und ihren Angehörigen
  • Spiritualität in der Sterbebegleitung
  • Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
  • Die vielen Gesichter der Trauer – verschiedene Trauermodelle
  • Grundlagen in der Pflege sterbender Menschen, Kennenlernen von Pflegehilfsmitteln
  • Geschichte der Hospizbewegung, rechtliche Grundlagen
  • Grundlagen der Palliativmedizin
  • Begleitung demenziell erkrankter Menschen
  • Rechtliche Aspekte der Vorsorge (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung)
  • Rechtliche Aspekte der Bestattung und die Bedeutung von Trauerritualen

Beratung

Ausführliche  Information zum Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes e.V. erhalten Sie hier.

Es gibt in Berlin eine Zentrale Anlaufstelle für Menschen, die sich und Angehörige über Hospize in Berlin informieren wollen.
Zentrale Anlaufstelle Hospiz ZAH
Internet: www.hospiz-aktuell.de: www.hospiz-aktuell.de

  • Dort erhalten Sie: 
  • Unterstützung bei der Suche nach kompetenten Ansprechpartnern und geeigneten Hilfseinrichtungen
  • Informationstelefon und persönliche Beratung zu Themen wie Sterbebegleitung, Palliative Pflege, Schmerztherapie, Trauer, Vorsorge, Patientenverfügung und ehrenamtliches Engagement in der HospizarbeitBeratung
  • Frau Amöna Landrichter, Projektleiterin
  • Telefon 030 / 40 71 11 13

    Montag, Dienstag und Freitag 9 – 13 Uhr
    Hermannstr. 256-258
    12049 Berlin
    U-Bahnhof Hermannplatz

     

Bitte beachten Sie auch die Links auf dieser Seite.

Meine ehrenamtliche Arbeit im Diakonie Hospiz Berlin-Wannsee. „Sterbebegleitung“, so nennt sich das. Ich möchte mich bei der Begrüßung jedoch nicht als „Ihr Sterbebegleiter“ vorstellen. „Ehrenamtlicher Hospizhelfer“ klingt neutraler. Wir begleiten Menschen auf einem Weg, den ihnen eine schwere, lebensbebrohliche Krankheit vorzeichnet. Ehrenamtliche (Ausbildung siehe nebenstehend) gibt es auf Palliativstationen der Krankenhäuser, in stationären Hospizen und manche arbeiten ambulant, besuchen also schwer erkrankte Menschen in ihrer häuslichen Umgebung. Ein sehr, sehr schönes Beispiel ist eine halbjährige Begleitung im Jahr 2019/2020. Mehr dazu…

Hospizarbeit konkret

 

 

Ich begleitete ein halbes Jahr lang einen Herrn, der an einem Gehirntumor erkrankt war. nach seinem Tod bat mich seine Frau, über diese Zeit in einer kleinen Ansprache bei der Trauerfeier zu berichten. Das tat ich wirklich gern, wenngleich es eine Herausforderung war, der ich mich ehrlich gesagt nicht bei jeder Begleitung stellen möchte, obwohl ich sehr viel positive Resonanz auf meine Worte erhielt. Ich sprach dort nach Stichworten frei,  ein nachträglich erstelltes Script können Sie hier nachlesen. Der Name der Familie wurde selbstverständlich geändert. Die Witwe hat der Veröffentlichung an dieser Stelle zugestimmt, weil sie, wie sie mir schrieb, „den offenen Umgang mit dem Thema Krankheit und Tod sehr wichtig“ finde. Mein Text sei „ein Beispiel dafür, wie wichtig und wohltuend liebevolle Begleitung in diesen Phasen ist.“

Ingo Kahle ©: Ansprache bei der Trauerfeier der Familie Heinrich, Januar 2020

 Liebe Familie Heinrich, liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde.

Mein Name ist Ingo Kahle. Ich gehöre zum Team der Ehrenamtlichen im Diakonie-Hospiz Wannsee und habe Herrn und Frau Heinrich  im letzten halben Jahr „begleitet“, wie wir sagen. Frau Heinrich hat mich gebeten, heute hier über diese Zeit zu berichten. Ich betrachte das als eine große Ehre. Ihre Bitte, Frau Heinrich, zeugt von dem großen Vertrauen, das wir von Anfang an zueinander gefunden hatten.

Es ist aber auch eine Herausforderung. Ich bin nahe am Wasser gebaut. Viel wichtiger aber: Eine solch schwere Erkrankung, wie jene, unter der Herr Heinrich litt (Glioblastom, in der Ansprache nicht genannt), bringt eine Reihe von – vorsichtig formuliert – körperlichen – bei ihm glücklicherweise nicht geistigen – „Beeinträchtigungen“ mit sich, welche en Detail zu schildern die Würde des Verstorbenen verletzten könnte.

Ich besuchte Herrn und Frau Heinrich in der Regel einmal pro Woche. Herr Heinrich und ich sind dann immer mit dem Rollstuhl „ausgeritten“. Ich habe in dieser Zeit sämtliche Cafés in einem weiten Umkreis von seinem Haus kennengelernt. Er trank, halb Wahl-Italiener, der er war, immer Espresso und aß sehr gern Eis.

Meine Schilderungen unter verschiedenen Stichworten:

  1. Leben bis zuletzt.
    Dies ist ein Motto aus der Hospizbewegung. Herr Heinrich durfte das genau so erleben, inklusive Opernbesuche – und zuletzt noch Mitte Dezember – Konzertbesuch. Er wusste sehr genau und sagte es mir auch, wem er dies zu verdanken hatte: seiner Frau und seinen engen Freundinnen und Freunden. 

Stichwort Würde, ein winziges Detail, das zeigt, wie er versuchte, Normalität zu wahren: Wenn wir in einem Café angekommen waren, fragte ich immer, ob er im Rollstuhl sitzenbleiben oder auf einen Stuhl oder eine Bank wechseln wolle. Er wollte bis auf eine Ausnahme, die ich noch erwähnen werde, immer aus dem Rollstuhl heraus, auch wenn er danach auf einem noch so wackeligen Gartenstuhl saß.

  1. Wir sind Erinnerung und wir schaffen Erinnerungen.
    Wir Ehrenamtlichen hatten gerade Mitarbeiterversammlung. Dabei gjbt es jeweils ein Ritual: Es wird zunächst derer gedacht, die im zeitlichen Zusammenhang unserer Arbeit gestorben sind. Wer etwas mit einem Namen verbindet, darf dann auf einem eigens hergerichteten Tisch eine Kerze entzünden. Als der Name Heinrich fiel, schoss geradezu neben mir ein Herr in die Höhe, noch bevor ich auch nur „piep“ sagen konnte. „Ja, für Herrn Heinrich möchte ich eine Kerze anzünden. Er war der Schuldirektor meiner drei Kinder.“

    Als wir einmal in dem „Schülercafé“, so nannte er es, saßen, gleich gegenüber einem Gymnasium, sprachen wir über dies und das, aber er war eigentlich gar nicht bei mir. Das ist nicht schlimm, ich nehme mich dabei nicht wichtig. Er beobachte dort die ganze Zeit die Schülerinnen und Schüler. Wir sprachen anschließend darüber, wie sehr er den Lehrerberuf, dieses Privileg, immer mit jungen Menschen arbeiten zu dürfen, geliebt hat.

  2. Fürsorglichkeit
    Wir saßen in der schönen, herbstlichen Abendsonne in einem kleinen Eiscafé. Ich fragte bei unseren Begegnungen immer: Wie ist die Tagesform? (Unter Sportlern, er hatte immerhin eine Marathon-Bestzeit von 3:30 Stunden. Meine liegt bei 3:04 Stunden. Jetzt schiebe ich ihn im Rollstuhl über seine alten Trainingsstrecken im Bezirk. Es gibt hier keinen Kausal-Zusammenhang.) Ich fragte außerdem immer: Was bewegt Sie im Moment besonders, gibt es Gedanken, die Sie mit mir teilen möchten? Ja, er mache sich große Sorgen, dass er seine Frau zu stark belaste. Besonders nachts, wenn er mehrfach wach werde, nicht allein auf die Toilette gehen könne und nach ihr rufen müsse. Diese Schlaflosigkeit belaste sie sehr. Er überlege deshalb, ob er in ein Hospiz gehen solle. Das sei ein guter Gedanke, erwiderte ich. „Er zeugt von der Fürsorglichkeit für Ihrer Frau. Sie lieben sie sehr, nicht?“ „Ja.“ (Sie kennen sich fast 50 Jahre.) Ich sei sicher, ergänzte ich, dass Ihnen Frau Dr. Penner, die Palliativ-Ärztin, beim Bestimmen des Zeitpunktes, von dem an dies hilfreich oder gar notwendig sein werde, behilflich sein werde.  Jetzt möge er die gewohnte häusliche Umgebung noch genießen, meinte ich.
    Ich spreche ja aus Erfahrung, erwähnte ich, was er schon wusste. Ich habe meine Frau zwischen Diagnose – Lungenkrebs, Nichtraucherin – und ihrem Tod fünf Monate lang zu Hause gepflegt. Wenn man das tue, sagte ich, sei das der Ausdruck höchster Liebe, die man einem Menschen geben könne. Dies verleihe einem ungeahnte Kräfte und ich sei sicher, dass seine Frau diese ebenfalls habe  und auch gern aufbringen werde.
  3. Kräfte haben Grenzen.
    Aber natürlich haben Kräfte Grenzen. Ich hatte Frau Heinrich angeboten, sie einmal allein – vielleicht bei einem Spaziergang – zu treffen, damit auch sie über ihre momentanen Empfindungen sprechen könne. Wir spazierten etwa eineinhalb Stunden durch unseren Bezirk natürlich spielte das Thema Belastungen dabei eine große Rolle. Ich sagte ihr dasselbe – wie eben zitiert – . ihrem Mann: Ausdruck höchster Liebe, ungeahnte Kräfte… Frau Heinrich sprach nicht nur davon, dass sie sich gar nicht vorstellen könne, dass ihr Mann einst nicht mehr bei ihr sein werde, sondern äußerte auch, dass sie sich ebenso wenig vorstellen könne, ihn in ein Hospiz zu geben. „Schiebe ich ihn dann nicht einfach ab?“ Ich berief mich wieder auf meine Erfahrung: Ich könne jede und jeden in häuslicher Pflege verstehen, die oder der sage: „Ich schaffe das nicht. Das übersteigt meine Kräfte!“ Der Gedanke an ein Hospiz habe für mich, nachdem ich diese Arbeit begonnen habe, seinen früheren Schrecken gänzlich verloren. Noch zwei Tage, bevor Herr Heinrich ins Hospiz zog, äußerte Frau Heinrich in einem Telefonat erneut diese Bedenken, ihr Mann könne meinen, sie schiebe ihn jetzt ab. Ich sagte ihr, ich sei nicht nur sicher, ihr Mann werde dort sehr gute Bedingungen vorfinden. Wir hatten uns ja das Hospiz in Wannsee gemeinsam angeschaut und beide hatten die Atmosphäre dort als sehr angenehm empfunden. Deshalb werde ihr Mann dort zur Ruhe kommen, auch, weil er sich dort keine Sorgen mehr machen müsse, seine Frau zu überfordern. Sie, Frau Heinrich, würden von den wachsenden pflegerischen Aufgaben entlastet. Die Zeit, die Sie dann gemeinsam miteinander hätten, wenn Sie ihn besuchen, sei dann gewissermaßen „Quality-Time“.
  4. Träume und Ängste.
    Im Sommer hatte Herr Heinrich Angst, seinen 75. Geburtstag am 28. September nicht mehr erreichen zu können. Ich machte ihm Mut, indem ich sagte, dass Schwerstkranke oft besondere Kräfte entwickeln, weil sie bestimmte Ereignisse, Daten noch erleben möchten. Er hat den Tag, die große Feier, als etwas Wunderbares empfunden und übrigens nicht davon gesprochen, dass das sein letzter Geburtstag gewesen sein könnte. „Ziele setzen!“, bestärkte ich ihn und er sagte, vielleicht könne er doch älter werden als manche in seiner Verwandtschaft.

    Einmal, auf einem zweieinhalbstündigen Spaziergang in wunderbarer Herbstsonne, sehr schön am Kanal entlang, fragte ich wieder: Gedanken, die Sie mit mir teilen möchten? Ja, er habe heute Nacht vom Paradies geträumt. „Ach, das müssen Sie mir beschreiben, wie sah es dort aus?“ „Sehr schön, sehr warm, alles in warmen Farben!“ „Sind Sie auch, wie Menschen mit Nah-Tod-Erfahrungen berichten, durch einen dunklen Tunnel gegangen, an dessen Ende in gleißendem Licht ihnen bekannte Menschen standen, die vor ihnen gestorben waren?“ „Ja, so ähnlich, aber das Erwachen war eben schrecklich. Deshalb geht es mir heute nicht so gut.“ Von Frau Heinrich wusste ich, dass ihr Mann das Thema Sterben nicht offen ansprechen mochte. Das war eine Gelegenheit dafür. Ich glaube, ich habe ihm erzählt, dass ich die bekannte Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich – damals 93 Jahre alt – im Interview gefragt hatte, ob sie Angst vor dem Sterben habe. Sie verneinte das, schränkte aber ein, dass sie ja nicht wisse, wie es sei – wörtlich – „wenn ich ihn erlebe oder nicht erlebe.“ (Im Nachhinein sei hinzugefügt: So wie Woody Allen äußerte, er habe keine Angst vor dem Tod, Hauptsache, er müsse ihn nicht erleben.) Herr Heinrich fragte mich daraufhin, wie das denn sei, wenn man stürbe. Ich erwiderte, ich hätte es bei meiner Frau und bei meiner Mutter erlebt, aber deshalb sei ich – trotz unserer Ausbildung – ja kein Experte dafür. Im Hospiz hat man mir mal erzählt, ein Mann sei auf die Terrasse gegangen, habe eine Zigarette geraucht, sich anschließend ins Bett gelegt und sei gestorben. Ich sei sicher, sagte ich, dass – bewirkt auch durch eventuelle Gaben von Morphin gegen Schmerzen – er dereinst gewissermaßen in einen Dämmerzustand geraten und ganz friedlich einschlafen werde.  So kam es dann ja auch. „Sie müssen, denke ich, keine Angst vor dem Sterben haben. Entscheidend ist, wie Sie das bewältigen, was jetzt ist und was möglicherweise noch kommen könnte. Manche Menschen ertragen das besser als andere, wenn sie meditieren. >Spiritual Care< nennt man das in der Palliativmedizin.“

  5. Wendepunkt
    Der 16. Dezember. “Ausritt“. Im kleinen Café in der Einkaufsstraße verließ er diesmal den Rollstuhl nicht. Es war schon dunkel. „Wollen Sie noch etwas spazieren gehen?“ „Ja!“ Wieder waren wir insgesamt fast zwei Stunden unterwegs. Aber dieser Abend nahm einen schwierigen Ausgang. Herr Heinrich schaffte es auch mit Unterhaken nicht, die wenige Stufen von seinem Garten in den Wintergarten seiner Wohnung zu erklimmen. Da war nichts mehr mit – wie eine der 24/7-Helferinnen im Haushalt, die Ungarin, immer sagte – „Bein hoch!“ Die Beine versagten den Dienst. Ich denke, jeder der Beteiligten hat an diesem Abend gespürt, dass das ein Wendepunkt sein könnte und ja wohl auch war. Herr Heinrich bedankte sich sehr herzlich und drückte meine Hand recht fest und länger als sonst.
  6. Abschied
    Hospiz am 3. Januar. Aussegnungszeremonie. Herr Heinrich lag aufgebahrt in seinem Bett, ein sehr friedliches Bild. Nach dem „Vater unser“ fragte der Herr vom Hospiz: Herr Heinrich sei ja auch für die Mitarbeiter des Hospizes überraschend gestorben – am fünften Tag seines Hospizaufenthaltes. „Gibt es denn etwas, das deshalb möglicherweise ungesagt geblieben ist und hier geäußert werden kann und sollte?“ – Ich hatte nicht den Eindruck. Frau Heinrich sprach den Satz, der mir in Erinnerung bleiben wird: „Er war einfach ein lieber Mensch.“
  7. Ich habe viel gelernt.
    Dazu gehört, dass bei Schwerstkranken der Tod eine Gnade sein kann, die einem das Leben gewährt.
    Ich lernte – wobei es dieser Lehre eigentlich gar nicht bedurfte – es nicht als selbstverständlich anzusehen, nicht einmal am Lebensende, Zeit mit meinen Enkeln verbringen zu dürfen. Herr Heinrich hinterlässt vier in Bonn lebende Enkelkinder. Wenn ich über die Zeit mit meinen Dreien ins Schwärmen geriet – ich neige – wie ich denke zurecht dazu – wurde Herr Heinrich sehr traurig. Das spürte ich, da musste er gar nicht viele Worte machen, hat er auch nicht.

Liebe Frau Heinrich: Ich habe in diesem halben Jahr von Ihnen und Ihrem Mann sehr viel tiefe Dankbarkeit erfahren. Das hat mir gutgetan. Deshalb schließe ich mit den Worten: Danke, dass ich Sie beide begleiten durfte.

Warum Hospizarbeit? Ich habe bisher erfahren, wie ungeheuer hilfreich die Begleitung schwerkranker Menschen ist und dass ich daür ein hohes Maß an Dankbarkeit ernte. Ich selbst habe eine buchstäblich bis zum letzten Atemzug gehende Sterbebegleitung im unmittelbaren persönlichen Bereich – ich muss das so sagen – durchgestanden. Ich kann mich in solche Lebenssituationen also sehr gut einfühlen. Diese persönliche Erfahrung ist mir jedoch auch Motivation für diese Arbeit, die im Übrigen auch schon einen beruflichen Vorlauf hat. 

Vom Beruf zum Ehrenamt

 

Schon in meiner Zeit als Redakteur und Moderator diese offizielle Bezeichnung unserer Tätigkeit „Zwölfzweiundzwanzig – Zu Gast bei Ingo Kahle“ habe ich Sendungen über das Sterben und auch über Sterbehilfe gestaltet. Ich führte Gesprächen mit Michael de Ridder, dem ehemaligen Leiter der Rettungsstelle im Berlin-Kreuzberger Urban-Krankenhaus, über seine Bücher „Wie wollen wir sterben?“ und „Welche Medizin wollen wir?“ sowie mit dem Palliativmediziner Prof. Gian Domenico Borasio über sein Buch „Selbst bestimmt sterben“. (Beide Gespräche können Sie auf dieser Seite unten anhören. Das Gespräch mit Prof. Borasio hat durch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, die 2015 vom Deutscgen Bundestag beschlossene Regelung zur Sterbehilfe zu kippen, neue Aktualität gewonnen. Siehe: „Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verfassungswidrig“, Der Präsident der Bundesärztekammer brachte sogleich eine Regelung nach dem Beispiel des US-Bundesstaates Oregon ins Gespräch. Dies wird in diesem Gespräch u.a. erläutert. Prof. Borasio berichtete mir in diesem Interview im Übrigen. dass die Arbeit in einem Hospiz eine so außerordentlich dankbare Aufgabe sei, was ich nunmehr aus eigener Anschauung nur bestätigen kann. Der Begriff „Hospiz“ hat für mich gänzlich jenen Schrecken verloren, den er zuvor hatte.

Nach meinem Ausscheiden aus dem rbb habe ich mir etwas Zeit gelassen, bevor ich die für die als ehrenamtlicher Hospizhelfer notwendige, mehr als 100-stündige Ausbildung begann – im Friederike-Fliedner-Hospiz des Evangelischen Johannesstiftes in Berlin-Wedding. Die Ausbildung beendete ich im November 2018 mit dem Erhalt des für ehrenamtliche Hospizhelfer erforderliche Zertifikates. (Siehe „Ausbildung“) Der Schwerpunkt meiner ehrenamtlichen Arbeit liegt nunmehr im Diakonie-Hospiz Berlin-Wannsee.