Ehrenamt

Sterbebegleitung

Meine ehrenamtliche Arbeit im Diakonie Hospiz Berlin-Wannsee. „Sterbebegleitung“, so nennt sich das. Ich möchte mich bei der Begrüßung jedoch nicht als „Ihr Sterbebegleiter“ vorstellen. „Ehrenamtlicher Hospizhelfer“ klingt neutraler. Wir begleiten Menschen auf einem Weg, den ihnen eine schwere, lebensbedrohliche Krankheit vorzeichnet. Ehrenamtliche gibt es auf Palliativstationen der Krankenhäuser, in stationären Hospizen und manche arbeiten ambulant, besuchen also schwer erkrankte Menschen in ihrer häuslichen Umgebung.

Nach meinem Ausscheiden aus dem rbb habe ich mir etwas Zeit gelassen, bevor ich die für die als ehrenamtlicher Hospizhelfer notwendige, mehr als 100-stündige Ausbildung begann – im Friederike-Fliedner-Hospiz des Evangelischen Johannesstiftes in Berlin-Wedding. Die Ausbildung beendete ich im November 2018 mit dem Erhalt des für ehrenamtliche Hospizhelfer erforderliche Zertifikates. (Siehe „Sterbebegleiter werden“) Der Schwerpunkt meiner ehrenamtlichen Arbeit liegt nunmehr im ambulanten Dienst des  Diakonie-Hospizes Berlin-Wannsee.

 

Sterbebegleiter werden

Die Ausbildungs zum ehrenamtlichen Hospizhelfer (Zertifikat) absolvierte ich im Friederike-Fliedner-Hospiz des Evangelischen Johannesstiftes in der Reinickendorfer Straße 61 in Berlin-Wedding. Der ca. 100-stündige Kurs unter der Leitung von Nadine Fröde und Peter Anhalt enthielt folgende Inhalte.

  • Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, Sterblichkeit und den persönlichen Erfahrungen mit Sterben, Tod und Trauer
  • Bedürfnisse sterbender Menschen
  • Rolle als Sterbebegleiter, Nähe und Distanz
  • Selbstfürsorge (z.B. Kraftquellen), Umgang mit den eigenen Grenzen
  • Kommunikation mit sterbenden Menschen und ihren Angehörigen
  • Spiritualität in der Sterbebegleitung
  • Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross
  • Die vielen Gesichter der Trauer – verschiedene Trauermodelle
  • Grundlagen in der Pflege sterbender Menschen, Kennenlernen von Pflegehilfsmitteln
  • Geschichte der Hospizbewegung, rechtliche Grundlagen
  • Grundlagen der Palliativmedizin
  • Begleitung demenziell erkrankter Menschen
  • Rechtliche Aspekte der Vorsorge (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung)
  • Rechtliche Aspekte der Bestattung und die Bedeutung von Trauerritualen
Spenden erwünscht: Diakonie-Hospiz in Wannsee.

Diakonie-Hospiz Wannsee.

Warum Hospizarbeit?

Ich habe bisher erfahren, wie ungeheuer hilfreich die Begleitung schwerstkranker Menschen für diese ist und dass ich daür ein hohes Maß an Dankbarkeit ernte. Ich selbst habe eine buchstäblich bis zum letzten Atemzug gehende Sterbebegleitung im unmittelbaren persönlichen Bereich – ich muss das so sagen – durchgestanden. Ich kann mich in solche Lebenssituationen also sehr gut einfühlen. Diese persönliche Erfahrung ist mir – auch deshalb – auch Motivation für diese Arbeit, die im Übrigen auch schon einen beruflichen Vorlauf hat. Siehe „Sterbebegleitung im Gespräch“ hier auf dieser Seite.

Viele Menschen sagen mir: „Das könnte ich nicht!“ Allen sei gesagt: Man begegnet in dieser Arbeit nicht jeden Tag dem Tod. Bei den Pflegekräften in Hospizen ist das anders, weshalb ihnen meine Hochachtung gilt. Doch der Palliativmediziner Gian Domenico Borasio sagte mir, beim Pflegepersonal in Hospizen werde auch viel gelacht. das Gespräch mit ihm können Sie hier auf dieser Seite hören.

 

Liebevolle Pflege und Ruhe vor dem Tod.

Sterbebegleitung – Die Praxis

Die beste Begründung für diese Arbeit als ehrenamtlicher Hospizhelfer liefert immer wieder die Praxis. Im Frühjahr 2022 begleitete ich den Berliner Fotojournalisten Paul Glaser in seinen letzten Lebenstagen. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung. Auf der Biografie-Website des Kollegen habe ich diese Zeit beschrieben. Lesen Sie hier.

Meine erste sehr intensive, Begleitung habe ich geradezu als ein Musterbeispiel für diese Tätigkeit empfunden. Im zweiten Halbjahr 2019 war dies die Begleitung von Heinz Heinrich (Name geändert.), der an einem Gehirntumor erkrankt war. Nach seinem Tod bat mich seine Witwe, über diese Zeit in einer kleinen Ansprache bei der Trauerfeier zu berichten. Das tat ich sehr gern, wenngleich ich diese Herausforderung in der Sterbebegleitung nicht zur Regelmäßigkeit werden lassen möchte. Die Witwe hat der Veröffentlichung an dieser Stelle zugestimmt, weil sie, wie sie mir schrieb, „den offenen Umgang mit dem Thema Krankheit und Tod sehr wichtig“ finde. Mein Text sei „ein Beispiel dafür, wie wichtig und wohltuend liebevolle Begleitung in diesen Phasen ist.“

Trauerfeier: Eine Ansprache

 

 

Ingo Kahle ©: Ansprache bei der Trauerfeier der Familie Heinrich, Januar 2020

 Liebe Familie Heinrich, liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde.

Mein Name ist Ingo Kahle. Ich gehöre zum Team der Ehrenamtlichen im Diakonie-Hospiz Wannsee und habe Herrn und Frau Heinrich  im letzten halben Jahr „begleitet“, wie wir sagen. Frau Heinrich hat mich gebeten, heute hier über diese Zeit zu berichten. Ich betrachte das als eine große Ehre. Ihre Bitte, Frau Heinrich, zeugt von dem großen Vertrauen, das wir von Anfang an zueinander gefunden hatten.

Es ist aber auch eine Herausforderung. Ich bin nahe am Wasser gebaut. Viel wichtiger aber: Eine solch schwere Erkrankung, wie jene, unter der Herr Heinrich litt (Glioblastom, in der Ansprache nicht genannt), bringt eine Reihe von – vorsichtig formuliert – körperlichen – bei ihm glücklicherweise nicht geistigen – „Beeinträchtigungen“ mit sich, welche en Detail zu schildern die Würde des Verstorbenen verletzten könnte.

Ich besuchte Herrn und Frau Heinrich in der Regel einmal pro Woche. Herr Heinrich und ich sind dann immer mit dem Rollstuhl „ausgeritten“. Ich habe in dieser Zeit sämtliche Cafés in einem weiten Umkreis von seinem Haus kennengelernt. Er trank, halb Wahl-Italiener, der er war, immer Espresso und aß sehr gern Eis.

Meine Schilderungen unter verschiedenen Stichworten:

  1. Leben bis zuletzt.
    Dies ist ein Motto aus der Hospizbewegung. Herr Heinrich durfte das genau so erleben, inklusive Opernbesuche – und zuletzt noch Mitte Dezember – Konzertbesuch. Er wusste sehr genau und sagte es mir auch, wem er dies zu verdanken hatte: seiner Frau und seinen engen Freundinnen und Freunden.

Stichwort Würde, ein winziges Detail, das zeigt, wie er versuchte, Normalität zu wahren: Wenn wir in einem Café angekommen waren, fragte ich immer, ob er im Rollstuhl sitzenbleiben oder auf einen Stuhl oder eine Bank wechseln wolle. Er wollte bis auf eine Ausnahme, die ich noch erwähnen werde, immer aus dem Rollstuhl heraus, auch wenn er danach auf einem noch so wackeligen Gartenstuhl saß.

  1. Wir sind Erinnerung und wir schaffen Erinnerungen.
    Wir Ehrenamtlichen hatten gerade Mitarbeiterversammlung. Dabei gjbt es jeweils ein Ritual: Es wird zunächst derer gedacht, die im zeitlichen Zusammenhang unserer Arbeit gestorben sind. Wer etwas mit einem Namen verbindet, darf dann auf einem eigens hergerichteten Tisch eine Kerze entzünden. Als der Name Heinrich fiel, schoss geradezu neben mir ein Herr in die Höhe, noch bevor ich auch nur „piep“ sagen konnte. „Ja, für Herrn Heinrich möchte ich eine Kerze anzünden. Er war der Schuldirektor meiner drei Kinder.“Als wir einmal in dem „Schülercafé“, so nannte er es, saßen, gleich gegenüber einem Gymnasium, sprachen wir über dies und das, aber er war eigentlich gar nicht bei mir. Das ist nicht schlimm, ich nehme mich dabei nicht wichtig. Er beobachte dort die ganze Zeit die Schülerinnen und Schüler. Wir sprachen anschließend darüber, wie sehr er den Lehrerberuf, dieses Privileg, immer mit jungen Menschen arbeiten zu dürfen, geliebt hat.
  2. Fürsorglichkeit
    Wir saßen in der schönen, herbstlichen Abendsonne in einem kleinen Eiscafé. Ich fragte bei unseren Begegnungen immer: Wie ist die Tagesform? (Unter Sportlern, er hatte immerhin eine Marathon-Bestzeit von 3:30 Stunden. Meine liegt bei 3:04 Stunden. Jetzt schiebe ich ihn im Rollstuhl über seine alten Trainingsstrecken im Bezirk. Es gibt hier keinen Kausal-Zusammenhang.) Ich fragte außerdem immer: Was bewegt Sie im Moment besonders, gibt es Gedanken, die Sie mit mir teilen möchten? Ja, er mache sich große Sorgen, dass er seine Frau zu stark belaste. Besonders nachts, wenn er mehrfach wach werde, nicht allein auf die Toilette gehen könne und nach ihr rufen müsse. Diese Schlaflosigkeit belaste sie sehr. Er überlege deshalb, ob er in ein Hospiz gehen solle. Das sei ein guter Gedanke, erwiderte ich. „Er zeugt von der Fürsorglichkeit für Ihrer Frau. Sie lieben sie sehr, nicht?“ „Ja.“ (Sie kennen sich fast 50 Jahre.) Ich sei sicher, ergänzte ich, dass Ihnen Frau Dr. Penner, die Palliativ-Ärztin, beim Bestimmen des Zeitpunktes, von dem an dies hilfreich oder gar notwendig sein werde, behilflich sein werde.  Jetzt möge er die gewohnte häusliche Umgebung noch genießen, meinte ich.
    Ich spreche ja aus Erfahrung, erwähnte ich, was er schon wusste. Ich habe meine Frau zwischen Diagnose – Lungenkrebs, Nichtraucherin – und ihrem Tod fünf Monate lang zu Hause gepflegt. Wenn man das tue, sagte ich, sei das der Ausdruck höchster Liebe, die man einem Menschen geben könne. Dies verleihe einem ungeahnte Kräfte und ich sei sicher, dass seine Frau diese ebenfalls habe  und auch gern aufbringen werde.
  3. Kräfte haben Grenzen.
    Aber natürlich haben Kräfte Grenzen. Ich hatte Frau Heinrich angeboten, sie einmal allein – vielleicht bei einem Spaziergang – zu treffen, damit auch sie über ihre momentanen Empfindungen sprechen könne. Wir spazierten etwa eineinhalb Stunden durch unseren Bezirk natürlich spielte das Thema Belastungen dabei eine große Rolle. Ich sagte ihr dasselbe – wie eben zitiert – . ihrem Mann: Ausdruck höchster Liebe, ungeahnte Kräfte… Frau Heinrich sprach nicht nur davon, dass sie sich gar nicht vorstellen könne, dass ihr Mann einst nicht mehr bei ihr sein werde, sondern äußerte auch, dass sie sich ebenso wenig vorstellen könne, ihn in ein Hospiz zu geben. „Schiebe ich ihn dann nicht einfach ab?“ Ich berief mich wieder auf meine Erfahrung: Ich könne jede und jeden in häuslicher Pflege verstehen, die oder der sage: „Ich schaffe das nicht. Das übersteigt meine Kräfte!“ Der Gedanke an ein Hospiz habe für mich, nachdem ich diese Arbeit begonnen habe, seinen früheren Schrecken gänzlich verloren. Noch zwei Tage, bevor Herr Heinrich ins Hospiz zog, äußerte Frau Heinrich in einem Telefonat erneut diese Bedenken, ihr Mann könne meinen, sie schiebe ihn jetzt ab. Ich sagte ihr, ich sei nicht nur sicher, ihr Mann werde dort sehr gute Bedingungen vorfinden. Wir hatten uns ja das Hospiz in Wannsee gemeinsam angeschaut und beide hatten die Atmosphäre dort als sehr angenehm empfunden. Deshalb werde ihr Mann dort zur Ruhe kommen, auch, weil er sich dort keine Sorgen mehr machen müsse, seine Frau zu überfordern. Sie, Frau Heinrich, würden von den wachsenden pflegerischen Aufgaben entlastet. Die Zeit, die Sie dann gemeinsam miteinander hätten, wenn Sie ihn besuchen, sei dann gewissermaßen „Quality-Time“.
  4. Träume und Ängste.
    Im Sommer hatte Herr Heinrich Angst, seinen 75. Geburtstag am 28. September nicht mehr erreichen zu können. Ich machte ihm Mut, indem ich sagte, dass Schwerstkranke oft besondere Kräfte entwickeln, weil sie bestimmte Ereignisse, Daten noch erleben möchten. Er hat den Tag, die große Feier, als etwas Wunderbares empfunden und übrigens nicht davon gesprochen, dass das sein letzter Geburtstag gewesen sein könnte. „Ziele setzen!“, bestärkte ich ihn und er sagte, vielleicht könne er doch älter werden als manche in seiner Verwandtschaft.Einmal, auf einem zweieinhalbstündigen Spaziergang in wunderbarer Herbstsonne, sehr schön am Kanal entlang, fragte ich wieder: Gedanken, die Sie mit mir teilen möchten? Ja, er habe heute Nacht vom Paradies geträumt. „Ach, das müssen Sie mir beschreiben, wie sah es dort aus?“ „Sehr schön, sehr warm, alles in warmen Farben!“ „Sind Sie auch, wie Menschen mit Nah-Tod-Erfahrungen berichten, durch einen dunklen Tunnel gegangen, an dessen Ende in gleißendem Licht ihnen bekannte Menschen standen, die vor ihnen gestorben waren?“ „Ja, so ähnlich, aber das Erwachen war eben schrecklich. Deshalb geht es mir heute nicht so gut.“ Von Frau Heinrich wusste ich, dass ihr Mann das Thema Sterben nicht offen ansprechen mochte. Das war eine Gelegenheit dafür. Ich glaube, ich habe ihm erzählt, dass ich die bekannte Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich – damals 93 Jahre alt – im Interview gefragt hatte, ob sie Angst vor dem Sterben habe. Sie verneinte das, schränkte aber ein, dass sie ja nicht wisse, wie es sei – wörtlich – „wenn ich ihn erlebe oder nicht erlebe.“ (Im Nachhinein sei hinzugefügt: So wie Woody Allen äußerte, er habe keine Angst vor dem Tod, Hauptsache, er müsse ihn nicht erleben.) Herr Heinrich fragte mich daraufhin, wie das denn sei, wenn man stürbe. Ich erwiderte, ich hätte es bei meiner Frau und bei meiner Mutter erlebt, aber deshalb sei ich – trotz unserer Ausbildung – ja kein Experte dafür. Im Hospiz hat man mir mal erzählt, ein Mann sei auf die Terrasse gegangen, habe eine Zigarette geraucht, sich anschließend ins Bett gelegt und sei gestorben. Ich sei sicher, sagte ich, dass – bewirkt auch durch eventuelle Gaben von Morphin gegen Schmerzen – er dereinst gewissermaßen in einen Dämmerzustand geraten und ganz friedlich einschlafen werde.  So kam es dann ja auch. „Sie müssen, denke ich, keine Angst vor dem Sterben haben. Entscheidend ist, wie Sie das bewältigen, was jetzt ist und was möglicherweise noch kommen könnte. Manche Menschen ertragen das besser als andere, wenn sie meditieren. >Spiritual Care< nennt man das in der Palliativmedizin.“
  5. Wendepunkt
    Der 16. Dezember. “Ausritt“. Im kleinen Café in der Einkaufsstraße verließ er diesmal den Rollstuhl nicht. Es war schon dunkel. „Wollen Sie noch etwas spazieren gehen?“ „Ja!“ Wieder waren wir insgesamt fast zwei Stunden unterwegs. Aber dieser Abend nahm einen schwierigen Ausgang. Herr Heinrich schaffte es auch mit Unterhaken nicht, die wenige Stufen von seinem Garten in den Wintergarten seiner Wohnung zu erklimmen. Da war nichts mehr mit – wie eine der 24/7-Helferinnen im Haushalt, die Ungarin, immer sagte – „Bein hoch!“ Die Beine versagten den Dienst. Ich denke, jeder der Beteiligten hat an diesem Abend gespürt, dass das ein Wendepunkt sein könnte und ja wohl auch war. Herr Heinrich bedankte sich sehr herzlich und drückte meine Hand recht fest und länger als sonst.
  6. Abschied
    Hospiz am 3. Januar. Aussegnungszeremonie. Herr Heinrich lag aufgebahrt in seinem Bett, ein sehr friedliches Bild. Nach dem „Vater unser“ fragte der Herr vom Hospiz: Herr Heinrich sei ja auch für die Mitarbeiter des Hospizes überraschend gestorben – am fünften Tag seines Hospizaufenthaltes. „Gibt es denn etwas, das deshalb möglicherweise ungesagt geblieben ist und hier geäußert werden kann und sollte?“ – Ich hatte nicht den Eindruck. Frau Heinrich sprach den Satz, der mir in Erinnerung bleiben wird: „Er war einfach ein lieber Mensch.“
  7. Ich habe viel gelernt.
    Dazu gehört, dass bei Schwerstkranken der Tod eine Gnade sein kann, die einem das Leben gewährt.
    Ich lernte – wobei es dieser Lehre eigentlich gar nicht bedurfte – es nicht als selbstverständlich anzusehen, nicht einmal am Lebensende, Zeit mit meinen Enkeln verbringen zu dürfen. Herr Heinrich hinterlässt vier in Bonn lebende Enkelkinder. Wenn ich über die Zeit mit meinen Dreien ins Schwärmen geriet – ich neige – wie ich denke zurecht dazu – wurde Herr Heinrich sehr traurig. Das spürte ich, da musste er gar nicht viele Worte machen, hat er auch nicht.

Liebe Frau Heinrich: Ich habe in diesem halben Jahr von Ihnen und Ihrem Mann sehr viel tiefe Dankbarkeit erfahren. Das hat mir gutgetan. Deshalb schließe ich mit den Worten: Danke, dass ich Sie beide begleiten durfte.

Weitere Berichte im Blog!

„Tschüss!“ – Eine Sterbebegleitung.
und
„Tschüss!“ – Eine Sterbebegleitung (2): Lucy.

Hospiz-Beratung

Ausführliche  Information zum Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes e.V. erhalten Sie hier.

Es gibt in Berlin eine Zentrale Anlaufstelle für Menschen, die sich und Angehörige über Hospize in Berlin informieren wollen.
Zentrale Anlaufstelle Hospiz ZAH
Internet: www.hospiz-aktuell.de: www.hospiz-aktuell.de

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  • Unterstützung bei der Suche nach kompetenten Ansprechpartnern und geeigneten Hilfseinrichtungen
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Ein Top-Palliativmediziner berichtet

Im Jahr 2014 habe ich in „Zwölfzweiundzwanzig“ mit Prof. Gian Domenico Borasio (*1962 in Novara, Italien) gesprochen. Er lehrte bis 2011 Palliativmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2011 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Universität Lausanne und leitet am dortigen Universitätsspital die Abte für Palliative Care. Er ist einer von Europas führenden Palliativmedizinern. Wir sprachen über sein Buch „Selbst bestimmt sterben“. Dieses Interview habe ich sehr, sehr gern geführt – inhalltlich, aber auch weil Prof. Borasio ein toller Gesprächspartner ist. Er berichtet darin von seinen Erfahrungen mit sterbenden Menschen und es ging auch um das Thema Sterbehilfe. Dieses Gespräch hat sehr zu meiner Motivation beigetragen, nach meinem Ausscheiden aus dem Beruf ehrenamtlich als Sterbehelfer zu arbeoten, weshalb ich es auf dieser Seite präsentiere. Er berichtet darin, dass die Arbeit in einem Hospiz eine so außerordentlich dankbare Aufgabe sei, was ich nunmehr aus eigener Anschauung nur bestätigen kann. Der Begriff „Hospiz“ hat für mich gänzlich senen Schrecken verloren.

Krankenhaus Waldfriede, Berlin.

Palliative Care: In Kliniken und Hospizen.
Hier: Krankenhaus Waldfriede Berlin.

Wie wollen wir sterben?

Michael de Ridder ehemaligen Leiter der Rettungsstelle im Berlin-Kreuzberger Urban-Krankenhaus ist hier im Gespräch in „Zwölfzweiundzwanzig“ über sein Buch: „Wie wollen wir sterben?“ Nach Erscheinen dieses Buchs nannte ihn der stern  Deutschlands berühmtesten Notarzt.“ Als seine Devise bezeichnet er: „Leben retten. Aber auch das Sterben zulassen.“ Seine Forderung: „Schluss mit der Vorstellung von der Allmacht der Medizin.“ In seiner ärztlichen Praxis habe er sich immer wieder die Frage stellen müssen: „Wann darf der Mensch denn sterben?“ In seinem Buch schreibt er: „Es gibt für mich keinen größeren Kunstfehler, als den Sterbeprozess zu verkennen. Medizin ist doch nicht dazu da, das Sterben grundsätzlich zu verhindern. Medizin ist dazu da, vorzeitiges und qualvolles Sterben zu verhindern. Der für mich zentrale Begriff ist das Patientenwohl. Nur daran muss ich mich als Arzt orientieren. Wenn ich nicht mehr kurieren kann, muss ich palliativ behandeln und begleiten. Letzteres ist ein dem kurativen Auftrag gleichwertiger Teil des ärztlichen Auftrags.“ 2015 erschien Michael de Ridders zweites Buch: „Welche Medizin wollen wir?“

Im Heli zur Rettungsstelle,   Foto: Kahle